Die Beschäftigungssituation der Neuabsolventinnen und Neuabsolventen der Psychologie 2003 1)
Die Psychologinnen und Psychologen haben mehr Probleme beim Übergang vom Studium in den Beruf als die Absolventen insgesamt. Sie geben häufiger an, bei der Stellensuche auf Schwierigkeiten zu stossen und sind im Jahr nach dem Studienabschluss auch häufiger erwerbslos und auf Arbeitsuche. In verschiedener Hinsicht hat sich die Situation allerdings verbessert. Die Psychologen sind seltener inadäquat beschäftigt. D.h. sie haben nicht häufiger als die Gesamtheit der Universitätsabgänger eine Stelle inne, für die vom Arbeitgeber kein Hochschulabschluss gefordert wurde. Der Anteil an Personen, die angeben wegen Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt auf eine Stelle ausgewichen zu sein, die ihrer Ausbildung nicht entspricht ist heute bei den Psychologen ebenso marginal wie bei den Absolventen insgesamt. Diejenigen Psychologen, die nicht die Therapielaufbahn anstreben, befinden sich wie die andern Sozialwissenschafter in der Situation, dass sie sich ihren Weg individuell suchen müssen. Die Psychologen haben aber gegenüber den andern Sozialwissenschaftern den Vorteil, dass es im Bereich der psychologischen Beratung mit der Schulpsychologie und der Berufsberatung staatlich finanzierte Berufsfelder gibt, in denen regelmässig ein gewisser Anteil der Neuabsolventen der Psychologie eine Beschäftigung findet.
Von den 398 Psychologinnen und Psychologen, die den Fragebogen zur Beschäftigungslage beantwortet haben, sind 310 (78 Prozent) Frauen und 88 (22 Prozent) Männer. Betrug der Anteil der Frauen unter den Psychologen bis 1991 noch etwa zwei Drittel, so liegt er in den letzten 10 Jahren konstant bei gut drei Vierteln.
26 Prozent der im Sommer 2003 Befragten haben ihr Studium an der Universität Genf abgeschlossen, 24 Prozent an der Universität Zürich, 20 Prozent an der Universität Bern, 14 Prozent an der Universität Lausanne, 8 Prozent an der Universität Freiburg, 6 Prozent an der Universität Neuenburg und 3 Prozent an der Universität Basel.
38 Prozent der Psychologinnen und Psychologen, die mit dem Lizentiat oder Diplom abgeschlossen haben, sind zum Befragungszeitpunkt im Sommer nach ihrem Studienabschluss in eine weitere Ausbildung involviert. Damit betreiben die Psychologen eher etwas häufiger Weiterbildung als die Gesamtheit der jungen Hochschulabgänger, von denen ein Drittel entsprechende Angaben macht. Je 7 Prozent der befragten Psychologen absolvieren eine Psychotherapieausbildung oder ein Masterprogramm an einer Universität. 6 Prozent streben das Doktorat an, und 18 Prozent einen andere Zusatzausbildung sei es an einer Universität oder Fachhochschule oder eine privatwirtschaftlich angebotene Ausbildung.
Weiterhin mehr Probleme beim Einstieg ins Berufsleben als die Gesamtheit der Hochschulabgänger
Abbildung 1 zeigt, dass in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre jeweils zwei Drittel der Psychologinnen und Psychologen angegeben haben, bei der Arbeitssuche auf Schwierigkeiten 2)gestossen zu sein. Dieser Anteil hat sich bis 2001 auf 38 Prozent verringert. Zuletzt ist er aber im Zuge der Verschlechterung des gesamtwirtschaftlichen Klimas wieder deutlich auf 50 Prozent angestiegen. Weiterhin muss auch festgestellt werden, dass die Psychologen wesentlich häufiger als die Hochschulabgänger insgesamt auf Probleme bei der Stellensuche stossen. Von den Universitätsabgängern insgesamt haben 2003 32 Prozent angegeben, auf Schwierigkeiten bei der Arbeitssuche gestossen zu sein.
Abbildung 1
Tabelle 1 zeigt, dass jeweils im Zuge einer wirtschaftlich ungünstigen Entwicklung wie zu Beginn der achtziger oder neunziger Jahre wie nach 2001 unter den Psychologinnen und Psychologen der Anteil an Absolventen, die im Jahr nach ihrem Studienabschluss ohne Beschäftigung und auf Stellensuche sind, zugenommen hat. Die Entwicklung der Erwerbslosenquote zeigt unter den Psychologen einen ähnlichen Verlauf wie unter den Hochschulabsolventen insgesamt. Jeweils in der Folge der wirtschaftlich schwierigen Phasen ist ein Anstieg zu beobachten. Dabei ist der Anteil an erwerbslosen Stellensuchenden bei den Psychologen jeweils einige Prozentpunkte höher als bei den Hochschulabgängern insgesamt. 2001 betragen die Anteile 10 Prozent bei den Psychologen vs. 7 Prozent bei den Universitätsabgängern insgesamt.
Bei den Psychologinnen und Psychologen ist der Anteil in der Romandie wohnhafter Personen deutlich höher als bei den Absolventen insgesamt. Etwa die Hälfte der befragten Psychologen wohnt in der Westschweiz. Weil in der Romandie die Beschäftigungssituation insgesamt jeweils ungünstiger ist als in der Deutschschweiz, war ein Teil der grösseren Beschäftigungsschwierigkeiten der Psychologen darauf zurückzuführen, dass die Romands unter ihnen stärker vertreten sind. Bei den Psychologen ist jedoch 2003 nur noch ein kleiner Unterschied zwischen den beiden Sprachregionen zu beobachten. Von den in der Westschweiz wohnhaften Psychologen geben 55 Prozent an, Schwierigkeiten bei der Suche nach einem Arbeitsplatz gehabt zu haben, von den Deutschschweizern nur 46 Prozent. Bezüglich dem Anteil an erwerbslosen Stellensuchenden dagegen gibt es 2003 keinen Unterschied. Bei den befragten Romands sind im Jahr nach dem Studium ebenso 10 Prozent erwerbslos und auf Stellensuche wie bei ihren Deutschschweizer Kollegen.
Tabelle 1: Beschäftigungslage Psychologie von 1981 bis 2003 (in Prozent)
| erwerbstätig | stellensuchend | Stelle zugesichert | Erwerbsverzicht | N | | 1981 | 84 | 6 | 5 | 5 | 153 | | 1983 | 75 | 12 | 6 | 7 | 95 | | 1985 | 80 | 13 | 0 | 8 | 118 | | 1987 | 88 | 6 | 2 | 4 | 227 | | 1989 | 88 | 6 | 1 | 6 | 177 | | 1991 | 83 | 8 | 1 | 8 | 208 | | 1993 | 79 | 12 | 3 | 6 | 253 | | 1995 | 88 | 9 | 1 | 3 | 283 | | 1997 | 82 | 12 | 3 | 4 | 311 | | 1999 | 85 | 7 | 2 | 6 | 340 | | 2001 | 85 | 8 | 2 | 6 | 456 | | 2003 | 81 | 10 | 5 | 5 | 398 |
Inadäquate Beschäftigung ist trotz wirtschaftlich schwieriger Zeiten seltener geworden
Dequalifikation und inadäquate Beschäftigung waren für die Psychologinnen und Psychologen immer mehr ein Thema als für die Absolventen vieler anderer Studienfächer. Tabelle 2 zeigt, dass der Anteil Psychologen, die an einer Stelle beschäftigt sind, an der vom Arbeitgeber kein Hochschulabschluss verlangt wurde, in vergangenen Zeiten bei einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen (nach 1983 und 1991) stark gestiegen ist. 1995 war er mit 36 Prozent doppelt so hoch wie in der Gesamtheit der Universitätsabgänger. 2003 ist aber eine neue Situation entstanden. Trotz eines wirtschaftlich ungünstigen Klimas ist der Anteil an Psychologen, die an einer Stelle beschäftigt sind, wo kein Universitätsabschluss vorausgesetzt wurde, nicht angestiegen, sondern gegenüber 2001 sogar weiter von 23 auf 18 Prozent gesunken. Nicht weiter fortgesetzt hat sich der Trend, nachdem die Psychologen immer häufiger an einer Stelle beschäftigt sind, für die ein Abschluss in Psychologie erforderlich war. Dafür ist die horizontale Durchlässigkeit gestiegen, d.h. die Psychologen haben noch nie so häufig eine Stelle besetzt, für die auch Universitätsabgänger mit anderen Studienfächern in Frage gekommen wären.
Die Psychologinnen und Psychologen geben in der Regel häufiger an, wegen Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt auf eine Stelle ausgewichen zu sein, die nichts mit dem Studium zu tun hat. 2001 betrug dieser Anteil bei den Psychologen 9 Prozent und bei den Absolventen insgesamt nur 3 Prozent. 2003 ist er aber unter den Psychologen mit 5 Prozent nicht mehr höher als unter den Universitätsabgängern insgesamt.
Tabelle 2: Anstellungsbedingungen der Psycholog/innen 1981 bis 2003 (Angaben in Prozent)
Hat der Arbeitgeber einen Hochschulabschluss verlangt? | | ja, in meinem Fach | ja, aber nicht unbedingt in meinem Fach | nein | N | | 1981 | 54 | 28 | 18 | 129 | | 1983 | 55 | 17 | 28 | 65 | | 1985 | 38 | 16 | 46 | 84 | | 1987 | 44 | 16 | 40 | 189 | | 1989 | 47 | 19 | 34 | 149 | | 1991 | 46 | 22 | 32 | 166 | | 1993 | 48 | 20 | 32 | 182 | | 1995 | 47 | 15 | 38 | 237 | | 1997 | 48 | 22 | 30 | 236 | | 1999 | 51 | 25 | 24 | 281 | | 2001 | 55 | 22 | 23 | 368 | | 2003 | 44 | 38 | 18 | 298 |
Bezüglich der Qualifikationsanforderungen beurteilen die Psychologinnen und Psychologen subjektiv ihre Stellen nicht schlechter als die Uniabgänger insgesamt. 13 Prozent geben an, dass ihre Stelle in Bezug auf die fachlichen Qualifikationen ihrer Ausbildung eher oder gar überhaupt nicht angemessen ist.
Alle drei oben genannten Indikatoren, die auf inadäquate Beschäftigung hinweisen können, zeigen also einen neuen Trend. Inadäquate Beschäftigung ist unter den Psychologen 2003 nicht häufiger zu finden als unter der Gesamtheit der Universitätsabgänger.
Hauptbeschäftigungsbereiche: Soziale Dienste und Gesundheitswesen
Aus Tabelle 3 geht hervor, dass sich die Psychologinnen und Psychologen über ein sehr breites Spektrum von Beschäftigungsbereichen verteilen. Am häufigsten arbeiten die Psychologen im Bereich «Soziale Dienste». In den letzten Jahren waren jeweils zwischen 36 und 45 Prozent der Berufseinsteiger in diesem Beschäftigungsbereich tätig.
Nebst dem Hochschulbereich ist das Gesundheitswesen ebenfalls von zentraler Bedeutung. Im Gesundheitswesen sind die Psychologen in erster Linie an Postgraduierten-Stellen beschäftigt, an denen sie die für eine Praxisbewilligung notwendige klinische Erfahrung sammeln. Kennzeichnend für diese Stellen ist, dass sie befristet und sehr schlecht bezahlt sind. Ein deutlicher Trend der nach 1997 eingesetzt hat, ist die Zunahme im Privaten Dienstleistungsbereich Beschäftigter. In diesem Bereich sind die Psychologen meist in einer Bank oder in einer Firma aus dem Bereich Unternehmensberatung tätig.
Fasst man die Bereiche «Psychologische Beratung» und «Gesundheitswesen», d.h. im wesentlichen Berufsberatung, Schulpsychologie, private psychologische Praxen sowie Spitäler und Kliniken zusammen, so kann man feststellen, dass in den letzten Jahren ungefähr 50 Prozent der Psychologinnen und Psychologen im Jahr nach dem Studienabschluss in diesem für sie klassischen Beschäftigungszweig tätig sind.
Tabelle 3: Beschäftigungsbereiche Psychologie von 1981 bis 2003 (Angaben in Prozent)
| 1981 | 1985 | 1989 | 1991 | 1993 | 1995 | 1997 | 1999 | 2001 | 2003 | | | | | | | | | | | | Hochschule | 24 | 13 | 21 | 20 | 21 | 16 | 17 | 15 | 15 | 13 | | | | | | | | | | | | Soziale Dienste | 43 | 51 | 43 | 38 | 44 | 45 | 40 | 36 | 36 | 38 | Sozialarbeit, Heime | 7 | 15 | 12 | 9 | 13 | 15 | 13 | 13 | 10 | 12 | Psychologische Beratung | 34 | 36 | 27 | 26 | 24 | 27 | 25 | 18 | 20 | 24 | Andere Soziale Dienste | 2 | 0 | 4 | 3 | 7 | 3 | 2 | 5 | 6 | 2 | | | | | | | | | | | | Gesundheitswesen | 9 | 9 | 16 | 19 | 12 | 17 | 16 | 20 | 22 | 16 | | | | | | | | | | | | Schule | 12 | 9 | 5 | 6 | 7 | 5 | 8 | 3 | 5 | 5 | | | | | | | | | | | | Kultur, Information | 1 | 2 | 1 | 1 | 1 | 1 | 2 | 0 | 0 | 0 | | | | | | | | | | | | Private Dienstleistungen | 5 | 3 | 9 | 8 | 7 | 6 | 7 | 14 | 16 | 15 | | | | | | | | | | | | Öffentl. Verwaltung | 2 | 4 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 7 | 2 | 7 | | | | | | | | | | | | Anderes | 3 | 3 | 2 | 4 | 3 | 4 | 3 | 4 | 7 | 6 | | | | | | | | | | | | N | 132 | 92 | 153 | 173 | 197 | 246 | 253 | 289 | 377 | 320 |
Die Absolventinnen und Absolventen werden nicht nur nach der Branche, in der sie tätig sind, sondern auch nach ihren persönlichen Berufen befragt. Entsprechend der breiten Verteilung über die verschiedenen Beschäftigungsbereiche verteilen sich die Psychologen auch über ein sehr breites Berufsspektrum.
Wie Tabelle 4 zeigt, bezeichnen sich 44 Prozent als Psychologin bzw. Psychologe. Sie gehören gemäss dem Verzeichnis der persönlichen Berufe des Bundesamtes für Statistik, nach dem die Angaben kodiert wurden, zur Gruppe der Berufe der Geistes- und Sozialwissenschaften. Weitere Berufsgruppen, denen sich jeweils ca. 10 Prozent der Psychologen zurechnen, sind die Unterrichtsberufe, die Hochschulangestellten (Forschungsassistenten), die Berufe der Fürsorge und Erziehung sowie die Berufe der Verwaltung und Organisation.
Tabelle 4: Persönliche Berufe der Psycholog/innen 2001 und 2003
Berufe der Geistes- und Sozialwissenschaften | 250 | 43% | Psycholog/innen (inkl. Berufsberater/in, Erziehungsberater/in, Schulpsycholog/in) | 247 | 43% | Andere Geistes- und Sozialwissenschafter/innen | 3 | 1% | | | | Angestellte an Hochschulen | 47 | 8% | Wissenschaftliche Assistent/innen und Mitarbeiter/innen | 44 | 8% | Andere Hochschulangestellte | 3 | 1% | | | | Lehrer/innen und andere Unterrichtsberufe | 60 | 10% | Logopäd/innen, Heilpädagog/innen | 16 | 3% | Berufs- und Fachschullehrer/innen | 12 | 2% | Psychopädagog/innen | 4 | 1% | Mittelschullehrer/innen | 4 | 1% | Primarlehrer/innen | 2 | 0% | Sonderschullehrer/innen | 2 | 0% | Schulleiter/innen | 1 | 0% | Andere Lehrerberufe (inkl. Erwachsenenbildner/innen) | 19 | 3% | | | | Berufe der Fürsorge und Erziehung | 54 | 9% | Sozialpädagog/innen, Erzieher/innen | 32 | 6% | Sozialarbeiter/innen | 14 | 2% | Animator/innen | 4 | 1% | Andere Betreuerberufe | 4 | 1% | | | | Berufe des Gesundheitswesens | 31 | 6% | Nichtärztliche/r Psychotherapeut/in | 18 | 3% | Krankenpfleger/in | 7 | 1% | Ärzt/innen | 6 | 1% | | | | Berufe der Verwaltung und Organisation | 64 | 11% | Personalfachleute | 35 | 6% | Mittleres Kader, Projektleiter/innen ohne weitere Angaben | 18 | 3% | Unternehmensberater/innen | 7 | 1% | Organisator/innen, Koordinator/innen | 4 | 1% | | | | Kaufmännische und administrative Berufe | 20 | 3% | Kaufmännische Angestellte | 14 | 2% | Andere kaufmännische und administrative Berufe | 6 | 1% | | | | Andere Berufe | 29 | 6% | Informatiker/innen und andere EDV-Berufe | 7 | 1% | Marketing- und PR-Fachleute | 6 | 1% | Markt- und Meinungsforscher/in | 5 | 1% | Berater/in | 4 | 1% | Polizeiberufe | 3 | 1% | Statistiker/innen | 2 | 0% | Landwirt/innen | 2 | 0% | | | | Je eine Nennung: Betriebshelfer/in, Verkäufer/in, Amtsvormund, Physiotherapeut/in, Pfarrer/in, Neurophysiologische/r Techniker/in, Kinooperateur/in, Redaktor/in, Regieassistent/in, Telefonist/in, Meister/in, /r, Ressourcenverwalter/in, Steingraveur/in, Gastwirt/in, Receptionist/in |
Gut 20 Prozent als Praktikantinnen und Praktikanten beschäftigt
Von 1991 bis 1995 hat sich der Anteil derjenigen Psychologinnen und Psychologen, die als Praktikanten beschäftigt waren, von 14 auf 27 Prozent beinahe verdoppelt. Parallel zur günstigen Entwicklung der gesamtwirtschaftlichen Konjunktur ist dieser Anteil bis 2001 wieder auf 20 Prozent zurückgegangen, zuletzt aber im Zuge der erneut ungünstigen wirtschaftlichen Entwicklung wieder auf 24 Prozent angestiegen. Der Anteil als Praktikanten beschäftigten Personen ist damit bei den Psychologen um 8 Prozentpunkte höher als unter der Gesamtheit der Universitätsabgänger.
Kein unterdurchschnittliches Einkommen mehr
Auf ihr Einkommen angesprochen, geben 47 Prozent der Psychologinnen und Psychologen an, dass dieses ihrer Ausbildung eher oder überhaupt nicht entspricht. Die Universitätsabgänger insgesamt sind weniger unzufrieden mit ihrem Einkommen. Unter ihnen machen 38 Prozent entsprechende Angaben.
Das Einkommen der Psychologinnen und Psychologen ist meist tiefer als dasjenige der Hochschulabgänger insgesamt. Vor allem in konjunkturell ungünstigen Zeiten, lag das Durchschnittseinkommen der Psychologen unter dem Durchschnitt. Offenbar hatten die Psychologen in wirtschaftlich ungünstigen Perioden mehr Schwierigkeiten, ihren Besitzstand zu wahren als die Absolventen insgesamt. Aktuell liegt jedoch das durchschnittliche jährliche Bruttoeinkommen der vollzeitlich beschäftigten Psychologen 2003 mit 69'000 Franken 3) ziemlich genau beim Durchschnitt desjenigen der Universitätsabsolventen insgesamt.
Das hier berechnete Durchschnittseinkommen gibt allerdings die Situation der Psychologinnen und Psychologen nur bedingt wieder, weil die Einkommen individuell stark variieren. Die Palette reicht von 10'000 Franken Praktikumsentschädigung bis zu deutlich über 100'000 Franken, wobei 9 Prozent der Befragten ein Einkommen von mehr als 100'000 Franken aufweisen.
Teilzeitbeschäftigung ist die Regel
Der Anteil teilzeitlich Beschäftigter beträgt unter den Psychologinnen und Psychologen 2003 64 Prozent. Unter den Universitätsabgängern insgesamt liegt er bei 35 Prozent. Der Anteil teilzeitlich Beschäftigter hat unter den Psychologinnen und Psychologen von 1987 bis 1995 von knapp 50 Prozent auf gegen 70 Prozent stetig zugenommen und sich seither in der Nähe dieses Werts stabilisiert. Man kann also feststellen, dass teilzeitliche Erwerbstätigkeit unter den Psychologen eher die Regel als die Ausnahme darstellt. Der hohe Anteil an teilzeitlich Beschäftigten bei den Psychologen ist einerseits auf den hohen Frauenanteil von 75 Prozent zurückzuführen. Unter den Frauen sind teilzeitliche Anstellungen sehr viel häufiger als unter den Männern. Teilzeitstellen sind bei Frauen oft gesucht und kein Notbehelf, da die damit verbundene Flexibilität eine individuelle Karrieregestaltung bzw. die Abstimmung der verschiedenen Frauenrollen (z.B. zwischen Beruf und Familie) ermöglicht. Andererseits hat der sinkende Anteil vollzeitlich Beschäftigter bei den Psychologen auch eine konjunkturell bedingte Komponente. Mit der Stabilisierung der wirtschaftlichen Situation in ist der Trend zu mehr Teilzeitstellen unterbrochen worden. 2003 ist der Anteil teilzeitlich Beschäftigter wieder angestiegen. Es lässt sich feststellen, dass der Anteil teilzeitlich Beschäftigter bei den Psychologen unter wirtschaftlich günstigen Rahmenbedingungen bei knapp 60 Prozent liegt, unter wirtschaftlich ungünstigen Bedingungen aber gegen 70 Prozent tendiert. Aus dem Umstand, dass in wirtschaftlich ungünstigen Zeiten der Anteil teilzeitlich Beschäftigter steigt, lässt sich schliessen, dass das Ausmass der Stellenreduktion nicht immer freiwillig gewählt ist.
Psychotherapie vor allem für Neuabsolventen ein schwieriges Betätigungsfeld mit geringen Verdienstmöglichkeiten
Oben wurde festgestellt, dass das Einkommen der vollzeitlich beschäftigten Psychologinnen und Psychologen durchschnittlich sei. Verzichten wir aber auf das Hochrechnen der Einkommen der teilzeitlich Beschäftigten, um festzustellen, wie viel die Psychologen im Jahr nach ihrem Studienabschluss (inkl. aller Nebenbeschäftigungen) durch Erwerbstätigkeit erwirtschaften, so zeigt sich ein eher ungünstigeres Bild. Unter Einbezug der tatsächlichen Bruttoeinkommen wird ersichtlich, dass knapp 40 Prozent der Psychologen im Jahr nach ihrem Abschluss ein monatliches Bruttoerwerbseinkommen von höchstens 3'000 Franken erzielen. Im Gesundheitswesen, wo diejenigen, die eine Psychotherapieausbildung absolvieren, mehrheitlich beschäftigt sind, sieht die finanzielle Situation noch ungünstiger aus. Hier sind es 54 Prozent, die ein monatliches Bruttoeinkommen von höchstens 3'000 Franken erzielen.
Wie bereits in frühen Untersuchungen können wir auch hier den Schluss ziehen, dass ein beträchtlicher Teil der Absolventinnen und Absolventen im Fach Psychologie über den Studienabschluss hinaus von den Finanzen Dritter abhängig bleibt. Dies gilt vor allem für diejenigen, die eine Postgraduiertenausbildung mit erheblichen Kursgeldern absolvieren.
Diejenigen, die eine Laufbahn als Psychotherapeutin oder Psychotherapeut einschlagen möchten, sehen sich mit der Situation konfrontiert, dass sie, um diesen Beruf selbstständig ausüben zu können, ähnliche Hürden überwinden müssen wie die Mediziner, die die Spezialarztausbildung absolvieren. Ein wesentlicher Unterschied besteht aber darin, dass die Mediziner schon zu Beginn ihrer Ausbildung 70'000 Franken verdienen, und deshalb unabhängig ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Die Psychologen dagegen brauchen einen beträchtlichen Teil ihres Erwerbseinkommens für die Therapieausbildung bzw. für die ebenfalls privat zu bezahlenden Selbsterfahrungs- und Supervisionsstunden. Falls dann noch Kosten für eventuell zu betreuende Kinder hinzukommen (bei der Mehrheit derjenigen, die eine Psychotherapieausbildung absolvieren, handelt es sich um Frauen, die über dreissig Jahre alt sind), bekommt die berufliche Laufbahn den Status eines kostspieligen Hobbys.
Fazit
Die Psychologinnen und Psychologen haben mehr Probleme beim Übergang vom Studium in den Beruf als die Absolventen insgesamt. Sie geben häufiger an, bei der Stellensuche auf Schwierigkeiten zu stossen und sind im Jahr nach dem Studienabschluss auch häufiger erwerbslos. In verschiedener Hinsicht hat sich die Situation allerdings im Vergleich zur Mitte der Neunziger Jahre verbessert. Die Psychologen sind insbesondere nicht mehr häufiger inadäquat beschäftigt als die Gesamtheit der Uniabgänger.
Diejenigen Psychologinnen und Psychologen, die nicht die Therapielaufbahn anstreben, befinden sich wie die andern Sozialwissenschafter in der Situation, dass sie sich ihren Weg individuell suchen müssen. Die Psychologen haben aber gegenüber den andern Sozialwissenschaftern den Vorteil, dass es im Bereich der psychologischen Beratung mit der Schulpsychologie und der Berufsberatung staatlich finanzierte Berufsfelder gibt, in denen regelmässig ein gewisser Anteil der Neuabsolventen der Psychologie eine Beschäftigung findet.
Wie alle Absolventinnen und Absolventen der Geistes- und Sozialwissenschaften können die Psychologen ihre Berufschancen deutlich dadurch verbessern, dass sie schon während des Studiums durch selbstständige Arbeiten (Lizentiats- oder Diplomarbeiten, Dissertationen) oder durch Studienerwerbstätigkeiten Kontakt zu späteren Arbeitsgebieten suchen. Unsere Untersuchung zeigt, dass bei denjenigen, die während mehr als einem Jahr eine Erwerbstätigkeit mit inhaltlichem Bezug zum Studium ausgeübt haben, der Anteil an erwerbslosen Stellensuchenden lediglich bei 6 Prozent, unter den übrigen aber bei 12 Prozent liegt.
Delikat präsentiert sich die Situation für diejenigen, die die Psychotherapielaufbahn einschlagen wollen. Ihnen wird, sofern sie sich selbstständig als Therapeutin oder Therapeut niederlassen möchten, in den meisten Kantonen vom Staat vorgeschrieben, wie lange sie mindestens in einer Klinik arbeiten müssen, wie viele Stunden Ausbildung, Supervision und Selbsterfahrung absolviert werden müssen. In dieser Situation stellt sich nicht nur die Frage nach einer geeigneten Stelle, sondern - da diese meist nicht sehr gut entlöhnt ist und die Ausbildung privat bezahlt werden muss - auch die Frage der Finanzierung generell.
An diesem Szenario dürfte sich auch in den nächsten Jahren wenig ändern. Da einerseits sowohl in der staatlichen Verwaltung generell wie auch im Gesundheitswesen speziell ein grosser Spardruck festzustellen ist, und andererseits die Zahl der Absolventinnen und Absolventen der Psychologie in den letzten Jahren stark gestiegen ist, wird sich die Beschäftigungssituation der Psychologen kurz- bis mittelfristig nicht stark verändern. D.h. der Berufseinstieg der Psychologen wird sich weiterhin schwieriger gestalten als für die Universitätsabgänger insgesamt. Möglicherweise wird sich irgendwann einmal die Situation für diejenigen Psychotherapeuten zum Besseren wenden, die bereits im Besitze einer Bewilligung zur selbstständigen Berufsausübung sind. In absehbarer Zukunft werden aber auch an solche Personen von den Krankenkassen nur freiwillige Beiträge bezahlt, die weit unter dem Tarif der Ärzte liegen. Aus diesem Grund ist bis heute auch das Absolvieren einer Therapieausbildung nicht unbedingt eine Basis für ein gesichertes Erwerbseinkommen.
Der Autor:
Markus Diem ist FSP-Psychologe und arbeitet als Studienberater an der Universität Basel. Seine Ausführungen basieren auf den Daten der Absolventenstudien des Bundesamts für Statistik (BFS), das in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT), dem Bundesamt für Bildung und Wissenschaft (BBW), der Schweizerischen Universitätskonferenz (SUK) und der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren alle zwei Jahre Erhebungen unter den Schweizer Hochschulabgängern durchführt. Befragt werden im Jahr nach dem Studienabschluss alle Personen, die an einer Schweizer Hochschule einen Erstabschluss erworben haben.
Dr. phil. Markus Diem, Jungstrasse 14, CH-4056 Basel, E-Mail: markus.diem(at)unibas.ch
Anmerkungen:
1) Alle statistischen Angaben basieren auf den Daten der Absolventenstudien des Bundesamts Statistik (BFS), das in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT), dem Bundesamt für Bildung und Wissenschaft (BBW), der Schweizerischen Universitätskonferenz (SUK) und der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren alle zwei Jahre Erhebungen unter den Schweizer Hochschulabgängern durchführt. Befragt werden im Jahr nach dem Studienabschluss alle Personen, die an einer Schweizer Hochschule einen Erstabschluss erworben haben. 2003 haben 59 Prozent der Absolvent/innen der universitären Hochschulen den Fragebogen beantwortet.
2) Die Frage nach Schwierigkeiten bei der Arbeitssuche wurde 2003 gegenüber früheren Befragungen leicht umformuliert. Sie lautete: "Sind Sie auf Schwierigkeiten gestossen, nach dem Abschluss eine Erwerbstätigkeit zu finden, die ihren Erwartungen entspricht?" In früheren Jahren war Sie folgendermassen formuliert: "Sind Sie auf Schwierigkeiten gestossen, nach dem Studium eine Erwerbstätigkeit zu finden?" Der direkte Vergleich der Zahlen von 2003 mit denjenigen früherer Jahre ist deshalb mit Vorbehalten behaftet.
3) Als statistisches Mittel wurde der Median verwendet. Die Einkommen der teilzeitlich beschäftigten Personen wurden auf 100 Prozent hochgerechnet.
|