«Familie und Beruf unter einem Hut»
Der Eintritt der Frauen in den Arbeitsmarkt hat zahlreiche Werte und Traditionen in Frage gestellt, neue Modelle und Möglichkeiten hervorgebracht. Die FSP leistet ihren Beitrag an die Debatte, indem sie ein Symposium zum Thema «Familie und Beruf« organisiert.
Das zweisprachig durchgeführte Symposium findet am 16. Oktober im Hotel Golden Tulip in Freiburg statt. Ein halbes Dutzend ReferentInnen aus ganz verschiedenen Bereichen werden sich zwischen 13.00 und 18.00 Uhr den Auswirkungen eines sozialen Phänomens annähern, das in der Geschichte der Gegenwart seines gleichen sucht. Die Frauen haben, als sie massiv in die Berufswelt drängten, tief greifende Veränderungen in der Gesellschaft eingeleitet. Die Beziehungen von Paaren und Familien befinden sich im Wandel.
Bestandsaufnahme
Am Anfang des Symposiums «Familie und Beruf« steht eine Bestandsaufnahme der gegenwärtigen Situation. Alain Vuille vom Bundesamt für Statistik präsentiert die Resultate der jüngsten Umfrage unter der berufstätigen Schweizer Bevölkerung im Vergleich mit den Daten der Jahre 1991 bis 1999. Diese Umfrage zeigt: 60% der Frauen nehmen nach der Geburt des ersten Kindes ihre Arbeit, oft in Teilzeit, wieder auf. Vor 20 Jahren betrug dieser Anteil erst 25%. Im zweiten Vortrag stellt Jürg Krummenacher, Präsident der Eidgenössischen Koordinationskommission für Familienfragen und Direktor der Caritas, die Familienpolitik in der Schweiz vor. Er wird die Perspektiven aufzeigen, welche diese Politik in der Schweiz bietet.
Ein Baby im Parlament
Nach den Fragen aus dem Publikum zu diesen beiden Beiträgen folgt der zweite, den Beziehungen zwischen Arbeit und Familie gewidmete Teil des Symposiums. «Die Verbindung von Familie und politischer / beruflicher Karriere - Erfahrungen und Überlegungen», heisst der Titel des ersten Referats. Die Referentin Elisabeth Baume kann aus eigene Erfahrungen schöpfen: Sie ist amtierende Präsidentin des Parlaments des Kantons Jura, hat im Frühling ihr zweites Kind zur Welt gebracht und damit bewiesen, dass Mutterschaft durchaus mit einer politischen Karriere vereinbar ist.
Danach stellt Helene Trachsel von der Schweizer Rückversicherung die Familienpolitik in einem grossen Unternehmen vor. Die Swiss Re ist Mitglied des Netzwerks «Taten statt Worte», dem rund 70 Unternehmen und Behörden angehören, welche die Chancengleichheit in der Arbeitswelt fördern wollen.
Widerstände
Der dritte Teil des Symposiums befasst sich mit dem Platz, den jeder und jede Einzelne in der Gesellschaft einnimmt. Der Psychologe FSP Blaise Pierrehumbert, Forscher im Service universitaire de psychiatrie de l'enfant et de l'adolescent in Lausanne, reflektiert, was ein Kind für eine Familie langfristig bedeutet. Er wird über die jüngsten Forschungen zu Kinderkrippen und ihren Auswirkungen auf die Beziehungen zwischen Mutter und Kind sprechen. Marianne Modak, Professorin an der Ecole d'études sociales et pédagogiques in Lausanne, erläutert die soziologischen Auswirkungen der zeitgenössischen Elternschaft. Patricia Roux, auch sie Soziologin, spricht von den Veränderungen und Widerständen bei der Gleichstellung in den Paarbeziehungen. Sie ist Kursverantwortliche am Institut des sciences sociales et pédagogiques in Lausanne und interessiert sich vor allem für die Diskrepanz zwischen Prinzip und Praxis bei der Aufgabenteilung.
Breite Öffentlichkeit
Das Symposium richtet sich vorrangig an die Mitglieder der FSP. «Sie alle werden in ihrem Berufsalltag direkt oder indirekt mit den thematisierten Veränderungen konfrontiert», meint FSP-Generalsekretär Felix Schneuwly. Das Symposium will aber auch ein breiteres Publikum ansprechen. Es dürfte bei allen Verbänden auf Interesse stossen, welche sich mit Familienfragen oder der Gleichstellung von Frau und Mann befassen, ebenso bei jenen, welche sich vor allem um das Wohlergehen der Kinder kümmern. Die FSP hat auch die Gemeinde-, Kantons- und Bundesbehörden eingeladen, die von diesen Aspekten und allen mit der Arbeit verbunden Fragen betroffen sind.
(4123 Zeichen und Leerzeichen, 3556 Zeichen) |