20.06.2017 / aktualisiert am: 19.03.2018

Tarmed-Eingriff des Bundesrates gefährdet die Behandlungsqualität in der Psychotherapie

Der Bundesrat schlägt im Rahmen seines Eingriffs in die Tarifstruktur Tarmed vor, die «Leistungen in Abwesenheit des Patienten» in der Psychotherapie auf zwei Stunden pro Halbjahr zu limitieren. Diese Begrenzung verunmöglicht die in der Psychotherapie oft zentrale Bezugs- und Umfeldarbeit oder die seriöse Auswertung diagnostischer Tests, die gerade bei schweren Erkrankungen und bei der Behandlung von Kindern und Jugendlichen besonders wichtig sind. Die FSP wehrt sich in ihrer heute beim Bund eingereichten Vernehmlassungsantwort gegen Massnahmen zu Lasten der Qualität in der Behandlung psychisch Kranker.

Vernetzung wichtiger denn je

Die Bedeutung der integrierten Versorgung wird sowohl vom Bund als auch von Kantonen immer wieder hervorgehoben. Eine im November 2016 vom BAG veröffentlichte Studie stellte bereits eine Unterfinanzierung der Koordinations- und Vernetzungsarbeiten fest – nun möchte der Bundesrat diese Arbeit noch weiter limitieren. Ob Lehrkräfte oder Eltern, Hausärzte oder Betreuende von Demenzkranken – wichtige Personen aus dem Behandlungsnetz könnten mit dieser Mengenbeschränkung nicht fachgerecht eingebunden werden. Dies widerspricht aktuellen Erkenntnissen für eine erfolgreiche Behandlung und würde, beim Erreichen der Limite, zu einer Verlagerung ambulanter Behandlungen in den teureren stationären Bereich führen.

Seriöse Diagnostik verhindert Fehlbehandlungen und Chronifizierungen

Diagnostische Tests sind unabdingbar für eine fachlich korrekte Therapieplanung und Behandlung – besonders bei Kindern und Jugendlichen oder bei Patienten mit Verdacht auf kognitive Beeinträchtigungen (z.B. Demenzerkrankung). Die Auswertung dieser Tests geschieht verständlicherweise in Abwesenheit des Patienten – und fiele damit auch unter die vom Bundesrat vorgeschlagene Limitierung. Zwei Stunden pro Halbjahr reichen nicht aus, um komplexe Krankheits- und Störungsbilder zu diagnostizieren – als Folge drohen Fehldiagnosen, Fehlbehandlungen und Chronifizierungen.

Weitere Informationen:
Olivier Rüegsegger, Medienstelle FSP, 031 388 88 48, info@fsp.psychologie.ch