04.10.2017

Kommt eine Entspannung bei der IV-Berentung?

Die FSP hat zum runden Tisch geladen, um Probleme bei der Berentung psychisch Kranker zu erörtern. Das Bundesgericht hat eine Überprüfung seiner Praxis in Aussicht gestellt.

Das Bundesgericht überprüft seine Praxis betreffend IV-Berentung für Depressive. In Kenntnis dieser Absicht, welche das oberste Schweizer Gericht anfangs September gegenüber der Nachrichtensendung "10 vor 10" angekündigt hatte, trafen sich vier Tage später Exponentinnen und Exponenten zum runden Tisch, zu welchem die FSP geladen hatte (siehe Newsletter vom August).

Der Einladung folgten Stefan Ritler, Leiter der Invalidenversicherung beim BSV, Thomas Gächter, Professor für Sozialversicherungsrecht, Niklas Bär, Leiter der Fachstelle Psychiatrische Rehabilitation der Psychiatrie Baselland und die als Gutachterin tätige Neuropsychologin und Psychotherapeutin Andrea Plohmann.Die FSP war durch die beiden Vorstandsmitglieder Yvik Adler und Jacqueline Frossard vertreten, geleitet wurde das Gespräch von Sabine Schläppi, Geschäftsführerin der FSP.

Die angekündigte Praxisüberprüfung des Bundesgerichts, welche gemäss "10 vor 10" demnächst in einem Urteil publik werden soll, wird von der Runde mit Spannung erwartet. Auch wenn sich in dieser konkreten Frage eine Entspannung abzeichnen könnte, bleiben bei der Berentung psychisch Kranker weiterhin einige Baustellen offen.

Bei der Berentung sollte heute nicht mehr das Beschwerdebild im Vordergrund stehen, sondern eine auf funktionelle Einschränkungen und individuelle Ressourcen basierende Einschätzung der Arbeitsfähigkeit. Die verschiedenen IV-Stellen wurden im September 2015 angewiesen, diese Ressourcenorientierung umzusetzen.

Eine Diskussion entstand auch über die Validierung von beklagten Beschwerden. Psychologinnen und Psychologen verfügen über geeignete Methoden, um - empirisch abgesichert und zufallskritisch - die Authentizität zu beurteilen. Dass die behandelnden Fachpersonen vermehrt in die Begutachtung einbezogen werden müssten, darüber bestand Konsens in der Runde.

Längerfristige Krankschreibungen sollten, wenn immer möglich, verhindert werden. Diese und weitere Themen wurden von den Fachpersonen engagiert diskutiert und von den Teilnehmenden interessiert aufgenommen. Die FSP konnte durch ihre vermittelnde Position zu diesem fachlichen Austausch beitragen und wir sich in den strategisch zentralen Punkten weiterhin engagieren - sowohl für ihre Mitglieder als auch für psychisch Erkrankte.