Aufmerksamkeitsstörungen präziser erkennen

Aurélie Faesch-Despont
Forschung
Verband
Mit Schlaf oder Aufmerksamkeit verbundene Zustände der Gehirnaktivität dauern bei Menschen mit ADHS länger an.

Ziel: Die Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) betrifft fünf Prozent der Erwachsenen. Sie ist eine der häufigsten psychiatrischen Störungen. Die klinische Diagnose basiert derzeit einzig auf einem Fragebogen, der auf die wichtigsten beiden Symptome ausgelegt ist, nämlich die Unaufmerksamkeit und die Impulsivität. In der Neurowissenschaft besteht aber Einigkeit darüber, dass es zudem biologische und genetische Ursachen für ADHS gibt, auch wenn diese noch weitgehend unbekannt sind.  

Methode: Für die Diagnose und Behandlung dieser Störung, die mit einschneidenden Folgen für Familie, Beruf, soziale Situation und Sicherheit der Betroffenen verbunden ist, könnten sogenannte Biomarker hilfreich sein. Dank Unterstützung des Nationalen Forschungsschwerpunkts Synapsy erforschte ein neurowissenschaftliches Team der Universität Genf und des biomedizinischen Bildgebungszentrums des Universitätsspitals Genf einen neuen Elektroenzephalografie-Ansatz namens «Mikrozustände». Diese Technik bildet die räumliche und zeitliche Dimension der Gehirn- tätigkeit ab. Das Team verwendete diese Technik, um nach den neurologischen Spuren von ADHS zu suchen.

Resultate: Mit Schlaf oder Aufmerksamkeit verbundene Zustände der 
Gehirnaktivität dauern bei Menschen mit ADHS länger an. Dieser Biomarker scheint mit Schlafstörungen verbunden zu sein, die bei ADHS zu den wichtigsten Aspekten zählen. Der Biomarker ist ein wertvolles Instrument für Forschung,  Diagnose und zukünftige Behandlungen.

Studie

Férat, V., Arns, M., Deiber, M.-P., Hasler, R., Perroud, N., Michel, C. M., & Ros, T. (2021). Electroencephalographic microstates as novel functional biomarkers for adult attention-deficit/hyperactivity ­disorder. Biological Psychiatry. doi: 10.1016/j.bpsc.2021.11.006

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