Beziehung zum Patienten: Beginn der Thera­pie entscheidend

Joël Frei
Forschung
Verband
Die Beziehung zwischen Psychotherapeut respektive Psychotherapeutin und der zu behandelnden Person rückt vermehrt in den Fokus der Forschung.

Unter der Leitung des Psychologieprofessors Christoph Flückiger von der Universität Zürich hat eine internationale Taskforce der American Psychological Association (APA) eine Serie von Metaanalysen durchgeführt. Dabei wurden knapp 400 empirische Studien zum Zusammenhang von Therapiebeziehung und Behandlungserfolg untersucht.

Die Auswertungen zeigten, dass sich die Qualität der Therapiebeziehung in fast allen der untersuchten Studien als robuste Prognose für den Therapieerfolg erwies, und zwar über die verschiedenen Therapieansätze, Erfolgsmessungen, Patientencharakteristika und Länder hinweg. «Psychische Störungen werden dann besonders erfolgreich behandelt, wenn Therapeutin und Patientin innerhalb einer vertrauensvollen Beziehung zielgerichtet zusammenarbeiten», fasst Christoph Flückiger die Erkenntnisse zusammen.

Die Metaanalysen ergaben zudem, dass die frühe Phase der Therapie entscheidend für den Behandlungserfolg ist. Zu Beginn der Psychotherapie stünden Symptomschwere und Arbeitsallianz in einem positiven wechselseitigen Verhältnis zueinander, was häufig zu einer Aufwärtsspirale führe. Denn eine starke Beziehung zur Patientin oder zum Patienten helfe, dessen Symptome zu reduzieren, was wiederum die therapeutische Beziehung stärke. «Unsere Studien liefern den Nachweis, dass es sich lohnt, in eine respektvolle, vertrauensvolle therapeutische Zusammenarbeit zu investieren.»

Flückiger, C., Rubel, J., Del Re et al. (2020). The reciprocal relationship between alliance and early treatment symptoms: a two-stage individual participant data meta-analysis.
Journal of Consulting and Clinical Psychology, 88(9), 829-843. doi: 10.1037/ccp0000594

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