Den Mutigen hilft das Glück

Aurélie Faesch-Despont
Forschung
Verband
Die Meinung, Erfolg hinge hauptsächlich mit persönlichen Eigenschaften wie Kompetenz, Talent, Anstrengung oder Entschlossenheit zusammen, ist weit verbreitet.

Und wer sich noch bessere Erfolgschancen wünscht, sollte ausserdem mutig sein: Risiken eingehen und neue Wege einschlagen. Zwar gestehen wir uns manchmal ein, dass auch das Glück eine gewisse Rolle spielen kann, aber tendenziell unterschätzen wir seinen Einfluss.

Die Physiker Alessandro  Pluchino und Andrea Rapisarda sowie der Wirtschaftswissenschaftler Alessio Biondo von der Università degli Studi di Catania in Italien haben nun die Karriereentwicklung mit einem mathematischen Modell über viele Jahre simuliert und so die Rolle von Glück und Talent beim beruflichen Erfolg quantifiziert. Ihre Studie wurde 2018 in der Zeitschrift Advances in Complex Systems veröffentlicht und stimmt nachdenklich: Die Forschenden haben nachgewiesen, dass nicht unbedingt die Talentiertesten am besten ab-schneiden, denn häufig werden sie von weniger Kompetenten überholt, die mehr Glück haben. Gemäss ihrem Modell winkt der Erfolg denjenigen, die nur leicht überdurchschnittlich talentiert sind, dafür aber viel Glück haben. Zufälle spielen laut den Forschenden eine wichtigere Rolle, als man erwarten würde. Und so gesehen winkt das Glück nicht nur den Mutigen. 

Was am Ende den Unterschied ausmacht, ist also weder das Talent noch die Risikobereitschaft, sondern eher die «Kunst, vom Glück zu profitieren». So jedenfalls denkt der Psychologe Richard Wiseman, der ein Forschungslabor zum Thema Glück an der britischen University of Hertfordshire leitet. Richard Wiseman und sein Team haben 400 Personen während acht Jahren beobachtet. Daraus liessen sich zahlreiche Schlussfolgerungen darüber ziehen, wie man sein «Glückskapital» erhöhen kann. Es gebe zwei Arten von Glück: das Glück, mit dem man im Lotto gewinnt und über das wir keinerlei Kontrolle haben, und das Glück, das zwar wie Glück aussieht, sich aber durch psychologische Faktoren erklären lässt. Wie der Psychologe herausfand, nutzten alle «Glückspilze» vier Verhaltensweisen, ohne sich darüber bewusst zu sein, nämlich günstige Situationen erkennen, der eigenen Intuition folgen, stets positiv eingestellt sein und aus negativen Erfahrungen lernen. 

Glück ist in gewisser Weise also nicht nur Zufall, sondern hängt auch von unserer Fähigkeit ab, neue Möglichkeiten zu schaffen und zu nutzen. Haben wir den Mut, für Glück zu sorgen! 

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