Depressionen und Angststörungen haben stark zugenommen

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Die Pandemie schlägt vielen aufs Gemüt. Jetzt liegen auch Zahlen einer gross angelegten Studie in der renommierten medizinischen Fachzeitschrift Lancet vor, die das eindrücklich zeigen.

Psychische Krankheiten wie Angststörungen und Depressionen haben seit 2020 um rund ein Viertel zugenommen. Das heisst, dass im Zuge der Coronapandemie bei über 50 Millionen Menschen zusätzlich eine Depression diagnostiziert wurde und bei fast 80 Millionen eine Angststörung. Schon vor der Pandemie gehörten diese beiden Krankheiten zu den Hauptgründen für die weltweite Krankheitslast.

Die Autoren haben für ihre Studie Datenbanken wie PubMed oder Google Scholar untersucht. Zudem wurde auch sogenannt graue Literatur beigezogen, also Vorabpublikationen, interne Dokumente, Konferenzberichte oder bisher unveröffentlichte Arbeiten. Zusätzlich wurden Experten befragt.

Frauen und Jugendliche stärker betroffen

Unter 5683 Datenquellen erfüllten 48 die Einschlussquellen für Depressionen, 27 für Angststörungen. Die Ergebnisse zeigen, dass die tägliche Infektionsrate und die Einschränkungen bei der Mobilität den grössten Einfluss auf die Entwicklung der untersuchten Krankheiten haben. Frauen und Jüngere sind zudem stärker betroffen als Männer und ältere Menschen. Die Forscher schätzen, dass sich die Fallzahl bei Depressionen weltweit um 27,6 Prozent erhöht hat, das entspricht  3152,9 Erkrankungen pro 100 000 Einwohner. Bei den Angststörungen sind es 25,6 Prozent oder 4802,4 Fälle pro 100 000 Einwohner. Eine Zunahme von Suiziden konnten die Forschenden hingegen bei keiner der untersuchten Gruppen feststellen.

Für die Forschenden bedeuten diese Resultate, dass die indirekten Folgen der Pandemie stärker in den Fokus gebracht werden sollten. Sie fordern Strategien, um das Problem zu lindern, und haben dazu konkrete Vorschläge formuliert.

Ansätze, der stärkeren Betroffenheit der Frauen entgegenzuwirken, sehen sie etwa im Bereich HomeSchooling, wo die Mütter meist immer noch die grössere Last tragen müssen. Auch Massnahmen gegen häusliche Gewalt an Frauen sind ein wichtiger Faktor – sie hat bekanntlich während der Pandemie ebenfalls zugenommen. In Bezug auf die Jungen geben die Forschenden zu bedenken, dass diese Frauen  öfter von Arbeitslosigkeit betroffen seien und Unterstützungsprogramme den Druck mildern könnten.

Covid-19 Mental Disorders Collaborators. (2021). Global prevalence and burden of depressive and anxiety disorders in 204 countries and territories in 2020 due to the Covid-19 pandemic. The Lancet, 398(10312) doi: 10.1016/S0140-6736(21)02143-7

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