Die psychische Gesundheit beschäftigt auch das Parlament

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In der Herbstsession des Schweizer Parlaments, die am 1. Oktober zu Ende ging, war auch die psychische Gesundheit der Schweizer Bevölkerung wiederholt ein Thema.

Das Postulat 21.3524 (Vereinfachter Zugang zur Psychotherapie. Finanzielle Konsequenzen für Krankenkassenprämien und Invalidenversicherung), mit dem Thomas de Courten vertiefte Abklärungen zu den finanziellen Folgen des Anordnungsmodells verlangte, wurde am 20. September zurückgezogen. Der Bundesrat wies in seiner Antwort darauf hin, dass ein umfassendes Monitoring der Folgen des Systemwechsels bereits vorgesehen sei. Das Eidg. Departement des Innern (EDI) sei damit beauftragt, 2025, also drei Jahr nach Inkrafttreten der Verordnung, Bericht zu erstatten. Der Rückzug des Postulats kann als positives Zeichen dafür gedeutet werden, dass die Einführung des Anordnungsmodells per 1. Juli 2022 nicht mehr umstritten ist.

Am 16. September stimmte der Nationalrat dem Postulat 21.3234 (Wie steht es um den psychischen Gesundheitszustand der Schweizerinnen und Schweizer?) von Baptiste Hurni zu. Damit ist der Bundesrat verpflichtet, einen Bericht über den psychischen Gesundheitszustand der Schweizer Bevölkerung vorzulegen, der insbesondere folgende Fragen behandelt: 1. Welche Folgen hat die Pandemie für die psychische Gesundheit? 2. Welche Möglichkeiten gibt es, um die psychische Gesundheit der Bevölkerung nach dem Ende der Pandemie zu stärken, und welche Veränderungen in den Versorgungs- oder Finanzierungsmodellen könnten dafür notwendig sein? Und 3: Welche Massnahmen können ergriffen werden, um die Schutzfaktoren durch die öffentliche Politik des Bundes zu stärken?

Ebenfalls am 16. September nahm der Nationalrat (entgegen der Empfehlung des Bundesrats) die Motion 19.4069 (Schweizer Kohortenstudie zur Untersuchung der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen) von Benjamin Roduit an. Falls auch der Ständerat, der nun noch darüber beraten muss, die Motion befürwortet, wird der Bundesrat beauftragt, den physischen und psychischen Gesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen in der Schweiz mittels einer über mehrere Jahrzehnte laufende Kohortenstudie zu untersuchen.

Damit zeigt sich einmal mehr, dass das Thema Psychische Gesundheit auch im Parlament angekommen ist. Die beiden Studien, die im Postulat Hurni und in der Motion Roduit gefordert werden, versprechen wertvolle und wichtige Daten zur psychischen Gesundheit der Schweizer Bevölkerung, die bislang nicht vorhanden waren.

Kommentare

Armin Gottlieb  Dr. Kunz

Armin Gottlieb Dr. Kunz

08/10/2021

Endlich! Eine Mitteilung, die mich mehr als freut:

Ebenfalls am 16. September nahm der Nationalrat (entgegen der Empfehlung des Bundesrats) die Motion 19.4069 (Schweizer Kohortenstudie zur Untersuchung der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen) von Benjamin Roduit an. Falls auch der Ständerat, der nun noch darüber beraten muss, die Motion befürwortet, wird der Bundesrat beauftragt, den physischen und psychischen Gesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen in der Schweiz mittels einer über mehrere Jahrzehnte laufende Kohortenstudie zu untersuchen.

Nun wird auch die psychische Gesundheit der Schwächsten unserer Gesellschaft ohne Lobby, nämlich von Kindern und Jugendlichen, ernst genommen, vom Parlament!

Ein Meilenstein ist geschafft!

Danke allen, die sich dafür eingesetzt haben.

Fachpsychologe FSP für Kinder- und Jugend-
psychologie und Psychotherapie

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