Die SGK-S unterstützt die Einführung des Anordnungsmodells

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Die Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit des Ständerates (SGK-S) hat am 19. Oktober die Motion 20.3914 mit 11 zu 0 Stimmen bei einer Enthaltung angenommen. Das ist ein klares Zeichen, dass die Kommission das Anordnungsmodell in der beschlossenen Form unterstützt.

Wie bereits berichtet, hat die Kommission für Soziale Sicherheit und Gesundheit des Ständerats (SGK-S) die interessierten Kreise zu einer Anhörung über die Zulassungssteuerung von psychologischen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten eingeladen (Motion 20.3914). Das Co-Präsidium der FSP, Yvik Adler und Stephan Wenger, haben die Anliegen der Psychologieverbände (FSP, ASP und SBAP) in der Anhörung vertreten. Die SGK-S empfiehlt, die Motion 20.3914 anzunehmen. Der Entscheid und die Medienmitteilung der SGK-S sind in der Tat so zu lesen, dass das Anordnungsmodell und dessen Inkraftsetzung nicht in Frage gestellt ist, sondern ergänzend dazu die Kantone die Möglichkeit haben, bei allfälligem Bedarf eine Zulassungssteuerung einzuführen.

Die Motion wird voraussichtlich in der Wintersession im Ständerat behandelt. Stimmt dieser zu, dann ist die Motion angenommen und der Bundesrat muss zuhanden des Parlaments einen Umsetzungsvorschlag ausarbeiten, der den Kantonen eine Möglichkeit gibt, das Leistungsangebot von psychologischen Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen zu steuern. Damit soll, wie die Kommission in ihrer Medienmitteilung schreibt, der «Kostenanstieg, der mit dem Übergang vom Delegations- zum Anordnungsmodell erwartet wird, auf das medizinisch Notwendige» beschränkt werden.

Die SGK-S ist nicht auf die Frage des Systemwechsels vom Delegations- zum Anordnungsmodell zurückgekommen, welchen der Bundesrat im März 2021 bereits beschlossen hatte. Die FSP-Vertretung konnte die Notwendigkeit der Einführung des Anordnungsmodells mit konkreten Zahlen und Beispielen aus der Versorgungsrealität darlegen. Die SGK-S hatte sich bereits im August 2020 nach Anhörung des Gesundheitsministers für den Systemwechsel ausgesprochen. In der Anhörung wurden die Massnahmen dargelegt, die im Hinblick auf die Inkraftsetzung der Verordnung am 1. Juli 2022 umzusetzen sind. Der Stand der Arbeiten ist weit fortgeschritten. Dem Vernehmen nach zeigten sich mehrere Kommissionsmitglieder über die Arbeiten des BAG und die konstruktive Zusammenarbeit der Tarifpartner erfreut und beeindruckt.

Kommentare

Denise Aeschimann-Kummli

Denise Aeschimann-Kummli

29/11/2021

Auch ich bedanke mich für das Engagement und den Durchhaltewillen von Seiten FSP!
Ich interessiere mich vor allem dafür, was mit all den PsychologInnen passiert, die zwar ihre Psychotherapieausbildung vor Inkraftsetzung des Anordnungsmodells abschliessen werden, aber nicht die 3 geforderten klinischen Jahre vorweisen können. Aus meiner Sicht geht diese spezifische Gruppe "unter", respektive droht zwischen Stuhl und Bank zu fallen. Es werden wohl insbesondere die Teilzeit arbeitenden Familienfrauen sein, die davon betroffen sind.
Hierzu finde ich weder auf der Seite des BAG, noch auf der Seite der FSP Informationen dazu. Da ich sicherlich nicht die einzige Betroffene bin, melde ich mich mit diesem Anliegen auf dieser öffentlichen Plattform. Möglicherweise werden sich auch noch weitere Betroffene melden?
Ich bedanke mich um Rückmeldungen.
Freundliche Grüsse
D. Aeschimnn

Simon Gautschy

Simon Gautschy

16/11/2021

Als erstes möchte ich der FSP herzlich danken für das grosse Engagement für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen unseres Berufsstandes. Ich habe grossen Respekt vor diesen Bemühungen und bin überzeugt, dass das Allerbeste getan und versucht wird, was möglich ist. Trotzdem möchte ich auch meiner Enttäuschung Ausdruck verleihen, dass das Anordnungsmodell in der Form, wie es jetzt geplant ist, umgesetzt werden soll. Enttäuschung deshalb, weil ich der Täuschung erlegen bin, dass die Vernunft der beteiligten Akteure siegen und diese unsinnige psychiatrische Beurteilung nach 30 Sitzungen nicht ins Vorgehen aufgenommen wird. Ich sehe keine fachlich nachvollziehbare (im Sinn des Patientenwohls) Begründung dafür, einzig (macht-)politische Interessen allenfalls, lasse mich aber gerne eines Besseren belehren. Während meiner Zeit als delegierter Therapeut haben meine PatientInnen und ich die psychiatrischen Indikationsgespräche (zu Beginn der Behandlung und nach 40 Sitzungen jeweils) als Tortur empfunden und ich will das niemandem mehr zumuten müssen - ich hoffe, ich bin mit dieser Erfahrung ein Einzelfall. Als selbständig tätiger, mit vorwiegend Selbstzahlern arbeitender Psychotherapeut geniesse ich im Moment meine Unabhängigkeit enorm und sehe nicht ein, weshalb ich mich erneut in ein Abhängigkeitsverhältnis begeben soll. Lieber verzichte ich auf die Abrechnung über die Grundversicherung und investiere meine Energie in den Ausbau des Angebots für Selbstzahler. Ich hoffe, dass viele BerufskollegInnen zugunsten unseres Berufsstandes ähnliche Wege einschlagen werden, bedaure allerdings, dass dies zulasten chronisch belasteter und mittelsschwacher PatientInnen gehen könnte.

Philipp Thüler

Philipp Thüler

17/11/2021
Simon Gautschy

Vielen Dank für Ihren Kommentar. Ich verstehe Ihre Rückmeldung über die 30-Stunden-Regelung. Ohne diese Einschränkung wäre das Modell politisch nicht mehrheitsfähig gewesen, auch wenn wir es fachlich nicht nachvollziehen können. Es wird davon ausgegangen, dass die meisten leichten Behandlungen unter 30 Stunden bleiben werden. Es wird sich zeigen, wie diese Regelung in der Praxis tatsächlich gelebt wird. Und wenn die Regelung nicht praxistauglich sein sollte, oder sogar dazu führt, dass die Versorgungslücken weiterhin bestehen bleiben, werden wir uns für Anpassungen in der nächsten Revision der Verordnung wieder stark machen. Philipp Thüler, Kommunikation FSP

Maurin Kämpfen

Maurin Kämpfen

02/11/2021

Mich würde interessieren, ob und wie auf die Ausgestaltung der konkreten Umsetzung, der Verlängerungen der Psychotherapie nach 30 Sitzungen, noch Einfluss genommen werden kann.

Eine externe Beurteilung zur Therapieverlängerung erscheint mir durchaus verständlich. Gemäss aktueller Info ist dazu jedoch EIN Fachpsychologe/eine Fachpsychologin und DREI Ärzte (Verordnende Hausärztin, beurteilender Psychiater und nochmal beurteilende Vertrauensärztin der Versicherung) notwendig, deren Beurteilungen jedoch alle ausschliesslich auf den Informationen der Psychologin/des Psychologen beruhen. Dies ist für mich nicht nachvollziehbar.
Es sollten doch Kosten gespart werden. Zu befürchten ist jedoch ein enormer Aufwand ohne zusätzlichen Nutzen.
Ausserdem ist zu vermuten, dass die Begutachtung durch Psychiaterinnen zu einem neuen Nadelöhr werden wird, da die Psychiater nicht daran interessiert sind, fremde Patienten zu beurteilen, sondern sich um ihre eigenen kümmern wollen. Der Verdacht liegt nahe, dass genau dies beabsichtigt ist, um zum Leidwesen der PatientInnen, Therapieverlängerungen möglichst unattraktiv zu machen.

Gibt es eine Begründung dafür, dass die Informationen der Psychologin nicht direkt an die Versicherung zugestellt werden können, welche dies durch einen qualifizierten Arzt beurteilen lässt, so wie es bisher zwischen PsychiaterInnen und Versicherungen gehandhabt wird?

Philipp Thüler

Philipp Thüler

02/11/2021
Maurin Kämpfen

Sehr geehrter Herr Kämpfen
Die Verordnung ist beschlossen und wird vor der Inkraftsetzung nicht mehr geändert. Es gibt hier also keine Möglichkeit mehr, etwas zu beeinflussen. Wir werden aber genau beobachten, wie sich diese Anforderung in der Praxis auswirkt. Der Bund hat ebenfalls angekündigt, dass eine Evalutation und ein Monitoring durchgeführt wird. Je nachdem, wie die Regelung sich in der Praxis auswirkt, wird der Bund die Verordnung dann auch wieder anpassen. Freundliche Grüsse, Philipp Thüler, Kommunikation FSP

Maria Mögel Wessely

Maria Mögel Wessely

29/10/2021

Es ist verständlich dass ein Systemwechsel Zeit braucht und viele Hindernisse überwinden muss. Bezüglich der Änderungen, die das Anordnungsmodell für die Kinder- und Jugendpsychotherapie betreffen, stehen allerdings Schwierigkeiten an, die schon jetzt im Delegationsverfahren zu erheblichen Problemen führen, nämlich die unzureichenden Ressourcen für Leistungen in Abwesenheit des Patienten wie Kommunikation/Anamnese/Beratung der teilweise extrem komplexen Umwelten der Kinder (Heime, Pflegefamilien, Schulen, multidisziplinäres Therapeutennetz). Die geplanten 15 Stunden für eine erste Tranche Abklärung und Psychotherapie - bei wieviel Zeit für die LAP? - decken evtl. den Aufwand für entwicklungstypische Anpassungsstörungen in intakten Verhältnissen oder Interventionen in der frühen Kindheit. Die Mehrheit der kinder- und jugendpsychotherapeutischen Behandlungen kommt damit nicht aus. Es würde interessieren, inwieweit diese Fragen Gegenstand der aktuellen Verhandlungen sind.

Maurin Kämpfen

Maurin Kämpfen

29/10/2021
Maria Mögel Wessely

Ich schliesse mich diesem Kommentar voll und ganz an und bin mit denselben Schwierigkeiten konfrontiert.

Ergänzend möchte ich hinsichtlich der Verhandlungen einbringen, dass die Testdiagnostik bei Kindern und Jugendlichen wesentlich relevanter ist, wobei eine Sitzungsdauer von 90min. bei Kindern häufig nicht ausreicht, um bspw. einen IQ-Test sachgemäss durchzuführen (Die IV erlaubt bei Abklärungen bspw. eine maximale Sitzungsdauer von 2h30m).

Herzlichen Dank für Euer Engagement und weiterhin viel Erfolg!

Muriel Brinkrolf

Muriel Brinkrolf

02/11/2021
Maria Mögel Wessely

Sehr geehrte Frau Mögel Wessley
Danke für Ihre Anmerkungen und Inputs. Sie sind uns bekannt und bewusst. Leider können wir keine Informationen zu den aktuellen Verhandlungen abgeben. Freundliche Grüsse, Muriel Brinkrolf

Muriel Brinkrolf

Muriel Brinkrolf

02/11/2021
Maria Mögel Wessely

@Maurin Kämpfen: Danke auch für Ihren Input. Sie sind wichtig und wertvoll. Zum Inhalt der Verhandlungen können wir uns hier leider nicht äussern. Wir danken für Ihr Verständnis. Freundliche Grüsse Muriel Brinkrolf

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