Einfacher eine Sprache erlernen – passiv in die Laute eintauchen

Aurélie Faesch-Despont
Forschung
Verband
Beim Erlernen einer neuen Sprache liegt eine der grössten Schwierigkeiten darin, dass sie Laute enthält, die wir nicht unterscheiden können.

Seit langem ist bekannt, dass kleine Kinder damit kein Problem haben. Sie brauchen nur eine Weile ein «Sprachbad» zu nehmen und können schon bald die verschiedenen Laute heraushören – allein durch passives Zuhören. Man ging bisher davon aus, Erwachsene seien dazu nicht in der Lage. Eine neue Studie zeigt sich optimistischer und könnte helfen, das Sprachenlernen bei Erwachsenen zu verbessern.
 
Finnische und chinesische Forschende haben finnische Erwachsene vier Tage in Folge täglich zwei Stunden lang mit Lauten aus dem Mandarin berieselt. Vorher und nachher wurden die Verhaltensreaktionen und ereigniskorrelierte Potenziale mittels Elektroenzephalogramm (EEG) gemessen. «Diese Ergebnisse zeigen erstmals, dass passives Hören genügen kann, um im Gehirn erwachsener Menschen durch Unterscheidung plastische Veränderungen hervorzurufen. Bisher ging man davon aus, das passiere nur im Kleinkindalter», schreiben die Forschenden. Dies lässt vermuten, dass ein passives Training beim Erlernen einer neuen Sprachen hilfreich sein kann.
 
Die Psychologinnen und Psychologen empfehlen, sich von der Sprache, die man erlernen will, berieseln zu lassen – beim Sport, Putzen oder Kochen. Solange die Aktivität kognitiv nicht zu anspruchsvoll ist, gewöhne sich das Hirn daran, die spezifischen Laute der zu erlernenden Sprache zu unterscheiden.

Kurkela, J. L. O., Hämäläinen, J. A., Leppänen, P. H. T., Shu, H., & Astikainen, P. (2019). Passive exposure to speech sounds modifies change detection brain responses in adults. NeuroImage, 188, 208–216. doi: 10.1016/j.­neuroimage.2018.12.010