Fehler bei der Subtraktion - auch Fachleute irren sich

Aurélie Faesch-Despont
Forschung
Verband
Unsere Fähigkeit, mathematische Aufgaben zu lösen, wird von Kenntnissen über die Welt beeinflusst, die mit Mathematik nichts zu tun haben und auch die Begabtesten irreleiten können.

Zu diesem Schluss kommt ein Forschungsteam der Universitäten Genf und Bourgogne Franche-Comté in der Fachzeitschrift Psychonomic Bulletin & Review.

Zwei Gruppen Erwachsener waren aufgefordert worden, zwölf Probleme zu lösen. Die erste Gruppe bestand aus Erwachsenen mit einer Hochschulausbildung, die zweite aus fortgeschrittenen Mathematikerinnen und Mathematikern. Den Teilnehmenden wurden zwei Arten von Aufgaben gestellt: eine Aufgabe, bei der man eher an Mengen denkt («Sarah hat 14 Tiere. Es sind Katzen und Hunde. Mehdi hat zwei Katzen weniger als Sarah und genauso viele Hunde. Wie viele Tiere hat Mehdi?»), und eine, bei der man sich Werte auf einer Achse vorstellt («Wenn der Fauli Schlumpf auf einen Tisch steigt, erreicht er eine Höhe von 14 Zentimetern. Der Muffi Schlumpf ist zwei Zentimeter kleiner als der Fauli Schlumpf und steigt auf denselben Tisch. Welche Höhe erreicht der Muffi Schlumpf?»). Die Lösung war den Aufgaben jeweils beigefügt. Die Teilnehmenden sollten sagen, ob sie korrekt war oder die Aufgabe nicht gelöst werden konnte.

Obwohl es jeweils nur um einfache Subtraktionen ging, gaben nur 76 Prozent der Mathematikerinnen und Mathematiker sowie 47 Prozent der anderen Akademikerinnen und Akademiker bei Mengenaufgaben die richtige Antwort. Bei Aufgaben mit Achsenwerten lagen die Quoten bei 95 respektive 82 Prozent.

Diese Ergebnisse zeigen, wie schwer es uns fällt, uns von unseren Kenntnissen über die Dinge, die in der Aufgabenstellung erwähnt werden, zu lösen. Bei der Katzen- und Hunde­aufgabe tendieren wir dazu, den Einzelwert der genannten Mengen zu errechnen (was angesichts der gegebenen Informationen unmöglich ist), statt für die Subtraktion die Perspektive zu wechseln. Die Forschenden zeigen damit, wie wichtig die Formulierung bei mathematischen Aufgaben ist. Sie empfehlen, diese Verzerrung im Mathematikunterricht zu berücksichtigen.

Gros, H., Sander, E., & Thibaut, J. P. (2019). When masters of abstraction run into a concrete wall: Experts failing arithmetic word problems. Psychonomic Bulletin & ­Review. doi: 10.3758/s13423-019-01628-3

Publiziert im Psychoscope 5/2019