Gefahr! Triggerwarnungen können Traumata sogar noch  verstärken

Forschung
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Filmen und Serien mit expliziten Inhalten ist oft ein Warnhinweis vorgeschaltet: «Einige Zuschauer könnten die folgenden Darstellungen von Gewalt als verstörend empfinden», heisst es dann zum Beispiel.  

Ziel solcher Warnungen ist es, potenziellen Stress zu vermindern, indem Auslösereize vermieden werden. Forscherinnen der australischen Flinders University haben nun aber herausgefunden, dass sich durch solche Warnungen Traumata sogar verschlimmern können.  209 überwiegend weibliche Teilnehmende im Alter von 17 bis 50 Jahren nahmen im Rahmen einer Studie an zwei Sitzungen innerhalb von zwei Wochen teil. In der ersten Sitzung sollten sich die Teilnehmenden an ein negatives Ereignis erinnern und berichten, wie stark sich dieses Ereignis emotional ausgewirkt hat. In der zweiten Sitzung wurden die Teilnehmer aufgefordert, sich erneut daran zu erinnern und die gleichen Fragen zu beantworten. 

Zu ihrer Überraschung fanden die Forscherinnen heraus, dass Teilnehmende, die in der ersten Sitzung gewarnt wurden, über einen geringeren Rückgang der emotionalen Auswirkungen ihrer negativen Erinnerung zwischen den Tests berichteten, wie zum Beispiel Schlafprobleme. Die Resultate würden darauf hindeuten, dass Triggerwarnungen die mit schlechten Erinnerungen verbundenen negativen Eigenschaften im Laufe der Zeit verlängern können, statt die Menschen darauf vorzubereiten, sich an eine negative Erfahrung zu erinnern – was das Gegenteil von dem ist, was diese Meldungen ursprünglich bezwecken, wie die Psychologinnen schreiben.

Bridgland, V. M. E., & Takarangi, M. K. T. (2021). Danger! Negative memories ahead: the effect of warnings on reactions to and recall of negative memories. Memory, 29. doi: 10.1080/09658211.2021.1892147

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