Gleiche Chancen für Migrantenkids - Elterntraining fördert Entwicklung

Joël Frei
Forschung
Verband
Wenn Eltern arbeitslos oder psychisch krank sind und die Familie in prekären Wohnverhältnissen leben muss, bleibt wenig Raum und Ruhe für das Elternsein.

Dies hat wiederum negative Auswirkungen auf die Entwicklung der Kinder. Besonders betroffen von solchen schwierigen Lebenssituationen sind Familien mit Migrationshintergrund. Gemäss dem Kinder- und Jugendpsychologen Andrea Lanfranchi, Professor an der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik (HfH), ist im Kanton Zürich jede zehnte Familie benachteiligt. 

Um zu prüfen, ob eine frühe Förderung von Kindern benachteiligter Familien wirksam ist, haben Forschende der HfH im Jahr 2011 die longitudinale Interventionsstudie «Zeppelin» aufgegleist. Die Interventionsgruppe besteht aus 132 sozial benachteiligten Familien.

Diese Familien werden regelmässig von einer erfahrenen Elterntrainerin begleitet. Die Begleitung wird zudem durch ein monatliches Treffen in einem Familienzentrum ergänzt. Die Kontrollgruppe besteht aus 116 ebenfalls benachteiligten Familien, die nicht in den Genuss des Förderprogramms kommen. Von den insgesamt 248 Familien haben 73 Prozent der Mütter keinen Schweizer Pass, 31 Prozent sprachen zu Beginn des Programms kein oder kaum Deutsch, 34 Prozent haben nur die obligatorische Ausbildung absolviert und 12 Prozent sind alleinerziehend.

Die aktuelle Studie läuft noch bis 2020, es liegen aber bereits Ergebnisse vor. In allen drei untersuchten Bereichen (kindliche Entwicklung, Erziehungskompetenz und Partizipation) zeigte die frühe Förderung Wirkung.

Gemäss den Forschenden zeigten sich die deutlichsten Effekte in der Sprache, in der Kognition und im Verhalten. Kinder der Interventionsgruppe weisen gegenüber den Kindern der Kontrollgruppe signifikante Vorsprünge auf. Sie verfügen über einen grösseren Wortschatz und können sich besser ausdrücken. Sie sind zudem weniger ängstlich, schlafen besser durch und weisen eine bessere Impulskontrolle auf.
 
Was die Erziehungskompetenz betrifft, so regen die gecoachten Eltern ihre Kinder besser an als die Eltern der Kontrollgruppe. Die durch eine Elterntrainerin unterstützten Mütter waren zudem bereits nach einem Jahr signifikant feinfühliger, was sich positiv auf die Sprachentwicklung ihrer Kinder auswirkte. Auch im Bereich Partizipation war das Förderprogramm wirksam. Die geförderten Eltern sind an ihrem Wohnort sozial besser vernetzt: So nutzen sie etwa Angebote wie die Bibliothek signifikant häufiger als die Eltern der Kontrollgruppe. 

Ob die Kinder dank der frühen Förderung auch in der Schule erfolgreicher sind, bleibt die noch offene Forschungsfrage der Längsschnittstudie. Andrea Lanfranchi erwartet, dass den geförderten Kindern ein alters­gerechter Schulübertritt häufiger gelingt und dass sie später öfter das Gymnasium besuchen.

Schaub, S., Ramseier, E., Neuhauser, A., Burkhardt, S., & Lanfranchi, A. (2019). Effects of home-based early intervention on child outcomes: A randomized controlled trial of parents as teachers in Switzerland. Early Childhood Research Quarterly. doi: 10.1016/j.ecresq.2019.03.007