Grosses Bedürfnis nach Austausch

Aurélie Deschenaux
Verband
Die Zufriedenheit der Mitglieder ist gestiegen. In einigen Bereichen sind aber noch Anpassungen nötig.

An der jüngsten Erhebung der FSP beteiligten sich rund ein Viertel der Mitglieder. Ziel war es, den Bedürfnissen, Anforderungen und Sorgen der Mitglieder auf den Puls zu fühlen. Die Beteiligung war zwar im Vergleich zur Erhebung des Jahres 2019 rückläufig, dafür aber äusserten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zufriedener: 70 Prozent gaben an, mit ihrer Mitgliedschaft eher zufrieden oder sehr zufrieden zu sein. Im Vergleich zu 2019 war dies eine Steigerung um vier Punkte (siehe Grafik 1). 13 Prozent hingegen äusserten sich eher oder sehr unzufrieden. 17 Prozent antworteten neutral oder machten zu dieser Frage keine Angabe. 

Die Teilnehmer sind im Durchschnitt 46 Jahre alt, 79 Prozent sind weiblich und fast 74 Prozent verfügen über mindestens einen Fachtitel. Psychologen mit einem Fachtitel in Psychotherapie waren leicht überrepräsentiert: Sie machten 67 Prozent der Befragten aus, obwohl ihr Anteil an den FSP-Mitgliedern nur 57 Prozent beträgt. So ist es keine Überraschung, dass 36 Prozent der Teilnehmenden ihre Haupttätigkeit selbstständig ausüben (im Vergleich zu 29 Prozent im Jahr 2019). 23 Prozent arbeiten delegiert, 41 Prozent überwiegend in einem Anstellungsverhältnis. Von den überwiegend angestellten Psychologen ist fast jede zweite Person (48 Prozent) bei einer Klinik, Privatklinik oder bei einem kantonalen Psychiatriedienst beschäftigt. An zweiter Stelle steht die öffentliche Verwaltung: Dort sind knapp 18 Prozent der angestellten FSP-Mitglieder tätig. Die restlichen 34 Prozent verteilen sich auf unterschiedliche Institutionen, Organisationen und Unternehmen. 14 Prozent der befragten Psychologen bekleiden eine Führungsposition. 

Die drei häufigsten Gründe für die Mitgliedschaft bei der FSP sind seit der letzten Erhebung unverändert geblieben. Der wichtigste Grund ist immer noch das Qualitätssiegel «Psychologe/in FSP», gefolgt von den Fachtiteln und Zusatzqualifizierungen der FSP. An dritter Stelle wurde das berufspolitische Engagement der FSP genannt. In den letzten beiden Jahren gewann der Zugang zu Informationen einen höheren Stellenwert. Etwa 35 Prozent der befragten Personen gaben bei der diesjährigen Erhebung an, dass dieser Informationszugang eine sehr wichtige Rolle für ihre Mitgliedschaft bei der FSP spiele. 2019 waren es lediglich 26 Prozent (siehe Grafik 2).

Netzwerkpflege und Austausch

Im Vergleich zu 2019 blieben die für die FSP als wichtig erachteten Aufgaben unverändert. Priorität hat weiterhin die Interessenvertretung in der Politik, gefolgt von der Stärkung des Berufsprofils, der Verbesserung der Arbeitsbedingungen, der Wahrnehmung der Psychologen in der öffentlichen Meinung und der Vergabe postgradualer Weiterbildungs- und Fachtitel. Im Grossen und Ganzen äusserten sich die Teilnehmenden zufriedener über die Leistung der FSP als im Jahr 2019. Fast acht von zehn Mitgliedern bewerteten insbesondere die Leistung der FSP im Bereich Interessenvertretung in der Politik als gut oder sehr gut (78 Prozent im Jahr 2021 gegenüber 76 Prozent im Jahr 2019). Das ist eine willkommene Anerkennung der zahlreichen im Rahmen der Einführung des Anordnungsmodells durchgeführten Aktionen in den letzten beiden Jahren (siehe Grafik 3). Hingegen scheinen die Anforderungen der Mitglieder in Bezug auf bessere Arbeitsbedingungen und Unterstützung in ihrem Tagesgeschäft noch nicht vollständig erfüllt zu sein. Über 30 Prozent der Befragten stehen der FSP darüber hinaus bei der Netzwerkpflege kritisch oder ambivalent gegenüber. Dies war der am schlechtesten bewertete Punkt (Siehe Grafik 3). Teilweise ist dieses Ergebnis auf die Covid-Pandemie zurückzuführen: «2020 und 2021 mussten Veranstaltungen wie 'Psychologie am Mittag', die Hauptversammlungen oder auch die Präsidialkonferenzen entweder aus dem Programm gestrichen werden oder in digitaler oder hybrider Form stattfinden», bedauert FSP-Geschäftsleiterin Muriel Brinkrolf. Sie fährt fort: «Wir verstehen, dass unseren Mitgliedern diese Treffen gefehlt haben. Wir freuen uns sehr darauf, 2022 wieder solche Veranstaltungen organisieren zu können. Sich mit anderen Psychologinnen und Psychologen über die tagtägliche Arbeit austauschen zu können, ist sehr wichtig.» Die Erhebungsteilnehmer äusserten in diesem Zusammenhang auch häufig den Wunsch, mehr persönliche Treffen zu organisieren, etwa zur Begrüssung neuer Mitglieder. Auch Workshops in den Regionen oder zu bestimmten Themen wurden vorgeschlagen.  

 

Die Befragten gaben an, im Vergleich zu 2019 besser von der FSP informiert zu werden. Sie fanden die Ausrichtung professioneller und halten die FSP-Organe für transparenter und greifbarer. Andererseits vertrete die FSP die Vielfalt der Psychologieberufe nicht ganz so gut: «Wir sind uns bewusst, dass in den letzten beiden Jahren mit dem Projekt der Integration in die Grundversicherung im Bereich der Psychotherapie besondere Anstrengungen unternommen wurden. Parallel dazu haben wir aber auch kontinuierlich an Projekten in anderen Bereichen gearbeitet», erläutert Muriel Brinkrolf.» Als Beispiel nennt sie die Einführung einer Schweizer Norm in der Eignungsdiagnostik. Kürzlich wurde auch das Kollegium der psychologischen Disziplinen gegründet, um die Erwartungen etwa von in der Sport-, Verkehrs- oder auch Personalpsychologie tätigen FSP-Mitgliedern besser kennenzulernen. Laut Muriel Brinkrolf sind diese Projekte noch weniger sichtbar: «Aber wir verstärken unsere Anstrengungen, um sämtliche Disziplinen der Psychologie zu vertreten.»

Die den Gesundheitssektor betreffenden politischen Entscheidungen bleiben für die FSP-Mitglieder das wichtigste Thema. Dahinter rangieren die Hürden in Verbindung mit der Reglementierung und den Normen, das Image des Berufs, die Arbeitsbelastung und die Entlöhnung (siehe Grafik 4).

Auf dem richtigen Kurs bleiben

Die aus der Erhebung gewonnenen Informationen sind von entscheidender Bedeutung bei der Festlegung der Strategieziele für die kommenden Monate. Wir möchten schliesslich alle gemeinsam auf dem richtigen Kurs bleiben. Viele Teilnehmende haben auch Ideen für neue Dienste genannt, sonstige Vorschläge unterbreitet oder ganz einfach zu verschiedenen Themen transparent ihre Meinung geäussert: «Ich möchte mich recht herzlich bei allen bedanken, die sich für diese Umfrage Zeit genommen haben. Wir konnten wertvolle Informationen sammeln, die es uns wiederum ermöglichen werden, allen FSP-Mitgliedern gezielte Leistungen anzubieten. Auch wenn die Ergebnisse bereits sehr erfreulich sind, werden wir alles dafür tun, die Zufriedenheit unserer Mitglieder bis zur nächsten Erhebung noch weiter zu steigern», schliesst Muriel Brinkrolf.

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