Hirnstimulation reduziert die Auswirkungen der Dyslexie

Pascale Stehlin
Forschung
Verband
Zehn Prozent der Bevölkerung sind von Legasthenie betroffen. Sie kann Lernstörungen beim Lesen nach sich ziehen und die Betroffenen dauerhaft einschränken.

Die Neurowissenschaftlerinnen Silvia Marchesotti und Anne-Lise Giraud von der Universität Genf untersuchten die Hauptursache für Legasthenie: das phonologische Defizit. Von diesem ist bekannt, dass es mit Veränderungen im Oszillationsrhythmus der neuronalen Aktivität in der Hörregion der linken Gehirnhälfte zusammenhängt, die für die Geräuschverarbeitung zuständig ist. Mit dieser Studie gelang zum ersten Mal der Nachweis eines kausalen Zusammenhangs zwischen diesen Oszillationen und der Fähigkeit des Gehirns, die als Phoneme bezeichneten Sprachlaute zu verarbeiten, wie Vokale und Konsonanten.

Die Neurowissenschaftlerinnen wandten eine transkranielle Wechselstrom-Stimulationstechnik an. Diese Methode wird in der Psychiatrie etwa zur Behandlung von Depressionen eingesetzt.

Die 20 Minuten lange Stimulierung der Hörregion der linken Gehirnhälfte bei einer Gruppe von 15 erwachsenen Legasthenikern und bei einer Kontrollgruppe von 15 Nichtlegasthenikern zeigte sich unmittelbar eine bessere phonologische Verarbeitung, und die Legastheniker lasen präziser. Bei den Testpersonen mit schwach ausgeprägter Lesefähigkeit fielen die Effekte der Stimulierung sehr positiv aus. Bei den sehr guten Leserinnen und Lesern stellten die Forscherinnen hingegen einen leicht störenden Effekt fest.
 

 

Marchesotti, S., Nicolle, J., Merlet, I., Arnal, L.H., Donoghue, J.P., & Giraud, A-L. (2020). L’amélioration sélective de l’activité à faible gamma par tACS améliore le traitement phonémique et la précision de lecture dans la dyslexie. Plos Biology. doi: 10.1371/journal.pbio.3000833
 

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