Internalisierung von Vorurteilen führt zu demotivierten Älteren

Aurélie Faesch-Despont
Verband
Vorurteile gegenüber älteren Menschen sind sehr weit verbreitet. Beispielsweise hört man oft, sie seien weniger kompetent als junge Menschen und würden häufiger Dinge vergessen.

Eine Forschungsgruppe der Universität Basel hat nun gezeigt, dass Erwerbstätige über 50 Jahre, die diese Vorurteile über das Alter internalisiert haben, sich möglicherweise am Arbeitsplatz ausgeschlossen fühlen und demotiviert sind. Als Konsequenz neigen sie dazu, bei der Arbeit weniger nach Sozialkontakten zu suchen. Dies kann sich negativ auf ihre Integration auswirken und dazu führen, dass sie sich frühzeitig aus der Arbeitswelt zurückziehen, etwa durch eine Frühpensionierung.

Zu diesen Ergebnissen gelangt das Forschungsteam mittels vier online durchgeführten Versuchen mit insgesamt 1306 Erwerbstätigen aus verschiedenen Berufsgruppen im Alter von 50 bis 76 Jahren sowie einer umfassenden Analyse. Wie die Psychologinnen und Psychologen feststellten konnten, sind die Demotivation zur Herstellung von Sozialkontakten mit Kolleginnen und Kollegen sowie der soziale Rückzug umso ausgeprägter, je stärker die Vorurteile über das Alter internalisiert sind.

Die Erhebungen über die Kausalität dieser Beziehungen brachten jedoch keine klaren Ergebnisse. 
Mit einer weniger starken Verbreitung von Vorurteilen über das Alter könnte die Zufriedenheit der älteren Erwerbstätigen am Arbeitsplatz erhöht werden. Und deren Potenzial könnte besser genutzt werden, bevor sie in Pension gehen.

Rahn, G., Martiny, S. E., & Nikitin, J. (2020). Feeling out of place: Internalized age stereotypes are associated with older employees’ sense of belonging and social motivation. Work, Aging, and Retirement. doi: 10.1093/workar/waaa005

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