Simon Gautschy

Simon Gautschy

16/11/2021

Als erstes möchte ich der FSP herzlich danken für das grosse Engagement für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen unseres Berufsstandes. Ich habe grossen Respekt vor diesen Bemühungen und bin überzeugt, dass das Allerbeste getan und versucht wird, was möglich ist. Trotzdem möchte ich auch meiner Enttäuschung Ausdruck verleihen, dass das Anordnungsmodell in der Form, wie es jetzt geplant ist, umgesetzt werden soll. Enttäuschung deshalb, weil ich der Täuschung erlegen bin, dass die Vernunft der beteiligten Akteure siegen und diese unsinnige psychiatrische Beurteilung nach 30 Sitzungen nicht ins Vorgehen aufgenommen wird. Ich sehe keine fachlich nachvollziehbare (im Sinn des Patientenwohls) Begründung dafür, einzig (macht-)politische Interessen allenfalls, lasse mich aber gerne eines Besseren belehren. Während meiner Zeit als delegierter Therapeut haben meine PatientInnen und ich die psychiatrischen Indikationsgespräche (zu Beginn der Behandlung und nach 40 Sitzungen jeweils) als Tortur empfunden und ich will das niemandem mehr zumuten müssen - ich hoffe, ich bin mit dieser Erfahrung ein Einzelfall. Als selbständig tätiger, mit vorwiegend Selbstzahlern arbeitender Psychotherapeut geniesse ich im Moment meine Unabhängigkeit enorm und sehe nicht ein, weshalb ich mich erneut in ein Abhängigkeitsverhältnis begeben soll. Lieber verzichte ich auf die Abrechnung über die Grundversicherung und investiere meine Energie in den Ausbau des Angebots für Selbstzahler. Ich hoffe, dass viele BerufskollegInnen zugunsten unseres Berufsstandes ähnliche Wege einschlagen werden, bedaure allerdings, dass dies zulasten chronisch belasteter und mittelsschwacher PatientInnen gehen könnte.