Managed Care: FSP mit Stimmfreigabe

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Berufspolitik
Am 17. Juni kommt die Managed-Care-Vorlage vors Volk. Damit soll die Qualität der Gesundheitsversorgung gesteigert und gleichzeitig das Kostenwachstum gebremst werden. Die Auswirkungen für Psychologinnen und Psychologen sind umstritten, weshalb die FSP auf eine Parolenfassung verzichtet.

Wenn die Managed-Care-Vorlage angenommen wird, werden Anreize geschaffen, die die Versicherten dazu bewegen sollen, sich von einem Ärztenetzwerk behandeln zu lassen. Sie wählen einen Hausarzt, der einem Ärztenetzwerk angehört. Dieser Hausarzt spielt von da an die Rolle des sogenannten Gatekeepers und koordiniert die gesamte Gesundheitsversorgung seiner Patientinnen und Patienten. Spezialärzte wie z.B. Psychiater können damit in der Regel nur noch auf Anordnung des Hausarztes konsultiert werden. Zudem beinhaltet die Vorlage ein zusätzliches Instrument zur Kostenkontrolle. Die Ärztenetze müssen nämlich mit den Krankenkassen ein Budget für die Behandlung der jeweiligen Versicherten vereinbaren und werden damit auch finanziell in die Verantwortung genommen.

Die Vorlage aus Sicht der Psychologinnen und Psychologen
Die Meinungen darüber, welche Haltung die Psychologinnen und Psychologen einnehmen sollen, gehen auseinander: Gegen eine Annahme spricht die Befürchtung, dass die Vorlage zu viel Macht in die Hände der Hausärzte legt. Psychiater, bei denen viele PsychologInnen angestellt sind, sind bei einem Ja in Zukunft darauf angewiesen, dass ihnen die Hausärztinnen und Hausärzte PatientInnen zuweisen. Und es gibt Studien, die besagen, dass Hausärzte nur rund die Hälfte der Patienten mit psychischen Problemen als solche erkennen. In Zukunft könnten damit unter Umständen wesentlich weniger Menschen von einer Psychotherapie profitieren.

Für ein Ja zu Managed Care spricht die Hoffnung, dass sich dadurch die Position der Psychologinnen und Psychologen verbessere. Schon heute nämlich sind in vielen bestehenden Ärztenetzwerken Psychologinnen und Psychologen angestellt. Diese nehmen teil an den Diskussionen, die zwischen den Ärzten bzw. Ärztinnen stattfinden, bringen die psychologische Perspektive in diese Diskussionen ein und können zeigen, dass eine psychologische Behandlung oft viel bringt und vergleichsweise wenig kostet. Managed Care ist damit für die Psychologinnen und Psychologen eine Chance, über die Netzwerke mehr PatientInnen zugewiesen zu bekommen und diese kompetent zu betreuen.

Der FSP-Vorstand gewichtet die Vorteile der Vorlage höher. Die Diskussion an der Präsidialkonferenz, der Versammlung der Präsidentinnen und Präsidenten der 48 FSP-Gliedverbände am 20. April, führte dagegen eher in die andere Richtung. Die FSP verzichtet daher auf eine Parolenfassung.

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