Mentalität des Gewinnens - gut für die Psyche junger Männer

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In den letzten Wochen wurde in der Öffentlichkeit der Begriff der "toxischen Männlichkeit" kontrovers diskutiert.

Einer der Auslöser waren die neuen Richtlinien der American Psychological Association (APA) zur psychologischen Begleitung von Jungen und Männern. Zwar kommt der umstrittene Begriff in den Richtlinien nicht vor, doch gemäss der APA habe sich gezeigt, dass "die Anpassung an die traditionelle Männlichkeits-Ideologie die psychologische Weiterentwicklung von Männern einschränkt (...) und ihre psychische und physische Gesundheit negativ beeinflusst".

Stimmt diese Hypothese? Die Thematik ist vielschichtig, wie die Forscherin Aylin Kaya von der Universität Maryland in einer Studie mit knapp 300 College-Studenten zeigen konnte. Die jungen Männer wurden in ihrem ersten Semester zu ihrer Zustimmung zu Aspekten der traditionellen Männlichkeit befragt (mit der Skala conformity to masculine norms).

Sechs Monate später wurde ihr Wohlbefinden gemessen. Eines der Resultate sticht hervor: Denjenigen jungen Männern, die das männliche Ideal des Erfolgs und Gewinnens verinnerlichten (sie stimmten beispielsweise der Aussage zu: "Gewöhnlich unternehme ich alles, um zu gewinnen"), ging es sechs Monate später psychisch besser. Andere Aspekte der traditionellen Männlichkeit hatten aber einen negativen Einfluss auf das Wohlbefinden der jungen Männer. Gerade das "Playboy-Ideal" ("Wenn ich könnte, würde ich oft die sexuelle Partnerin wechseln") oder das "Macht-Ideal" ("Gewöhnlich kontrolliere ich die Frauen in meinem Leben") führte bei den Probanden tendenziell zu einem schlechteren psychischen Befinden.

Fazit der Forscherin: Das Festhalten an traditionell männlichen Normen konnte sowohl negative als auch positive Effekte auf die psychische Gesundheit voraussagen. Weitere Längsschnittstudien auf diesem Gebiet sind nötig. Die Untersuchung beschränkte sich zudem auf junge US-amerikanische Männer am College und die Resultate basieren ausschliesslich auf den Selbstaussagen der Probanden zu ihren Werten und ihrem Wohlbefinden.

 
 
Kaya, A., Iwamoto, D., Brady, J., Clinton, L., & Grivel, M. (2018). The role of masculine norms and gender role conflict on prospective well-being among men. Psychology of Men & Masculinity. doi:10.1037/men0000155

 
 
 

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