07.09.2017

Public Health Symposium: Burnout aus verschiedenen Perspektiven

Am Symposium von Public Health Schweiz zum Thema "Burnout - Modewort oder Massenkrankheit?", das am 5. September in Bern stattfand, wurde das Thema Burnout aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet.

Pasqualina Perrig-Chiello, emeritierte Psychologieprofessorin der Uni Bern, zeigte den Zusammenhang von Lebensalter, Übergängen und Belastung auf: So zeigen sich um die Lebensmitte mit etwa fünfzig Jahren besonders belastende Umstände, dies parallel zum Höhepunkt an Verantwortung und Macht. Ebenda gibt es auch die meisten Scheidungen - und die höchste Rate an behandelten Depressionen.

Aus arbeitspsychologischer Sicht stellte Margot Vanis vom Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) die Arbeitssicherheits-Inspektionen nach SECO vor, bei denen neu auch psychische Belastungen untersucht werden. Als besonders belastende Faktoren werden Unterbrechungen, ein hohes Arbeitstempo sowie Termindruck angegeben. Als Entlastungsfaktoren wird neben organisatorischen Aspekten insbesondere das Führungsverhalten erwähnt.

Die Nationalrätin Barbara Gysi berichtete über die Wichtigkeit der Arbeitszeiterfassung als Basis des Gesundheitsschutzes und die Vorstösse von liberaler Seite, die genau diese gesetzlichen Bedingungen aufweichen wollen. Gysi plädierte auch dafür, dass Burnout auf die Liste der Berufskrankheiten kommt.

Im Anschluss an die Referate diskutierten Thomas Ihde Scholl, Präsident von Pro Mente Sana, Yvik Adler, Co-Präsidentin der FSP und Regina Knöpfel von Compasso auf dem Podium. Auf die Frage, ob die Generation Y weniger Burnout-gefährdet sei, gibt es unterschiedliche Antworten. Thomas Ihde bescheinigt den Jüngeren zwar eine grössere Kompetenz im Umgang mit der Digitalisierung, weist aber auch auf die nach wie vor hohen Anforderungen der heutigen Arbeitswelt an Emotionsregulation und Sozialkompetenz hin.

Yvik Adler hingegen sieht durchaus ein Potential in der jungen Generation: so sei diese eher bereit, sich Hilfe zu holen und anzunehmen. Zudem habe der Begriff Burnout durch den Fokus auf die Arbeit eine Enttabuisierung erfahren, was die Zugangshürde zur Psychotherapie senke.

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