05.12.2017

TARPSY-Einführung bringt Mehraufwand für Psychologinnen und Psychologen

Ab Januar 2018 gilt im stationären Bereich eine neue Tarifstruktur. (Bild: Klinik Burghölzli. Wikimedia, Parpan05, CC BY-SA 3.0)

Ab dem 1. Januar 2018 gilt in der stationären Erwachsenenpsychiatrie die neue Tarifstruktur TARPSY. In der Kinder- und Jugendpsychiatrie ist die Anwendung von TARPSY vorerst noch freiwillig. Die neue Tarifstruktur wird dort frühestens ab 1. Januar 2019 für alle verbindlich eingeführt.

Mit der Tarifstruktur TARPSY werden neu alle stationären psychiatrischen Behandlungen mit leistungsbezogenen Tagespauschalen vergütet. TARPSY berücksichtigt den Aufwand und die Leistung eines Spitals, indem sie Patientenfälle anhand von Hauptdiagnose, Alter, Schweregrad der Erkrankung und Nebendiagnosen in Psychiatrische Kostengruppen (PCG) einteilt. Diese werden mittels leistungsbezogener Tagespauschalen in unterschiedlicher Höhe abgegolten.

TARPSY ist ein lernendes System: Für die ersten zwei Jahre nach Einführung von TARPSY haben die Tarifpartner ein Monitoring und Korrekturmassnahmen vereinbart, womit eine kostenneutrale Einführung sichergestellt werden soll.

TARPSY schafft insgesamt höhere Kosten- und Leistungstransparenz im stationären psychiatrischen Bereich in der ganzen Schweiz, was aus Sicht der FSP grundsätzlich zu begrüssen ist. Für die in den Kliniken tätigen Psychologinnen und Psychologen wird sich die Einführung auch auf den Arbeitsalltag auswirken. Gemäss Christopher Schütz von der Schweizerischen Vereinigung Klinischer Psychologinnen und Psychologen ist vor allem mit folgenden Auswirkungen zu rechnen:

  • Da die Tarifberechnung, also die Zuordnung zu einer Kostengruppe, aufgrund des Schweregrades der psychischen und somatischen Symptome erfolgt, ist beim stationären Eintritt eine Schweregradeinschätzung mit dem Instrument HoNOS (Health of the Nation Outcome Scales) erforderlich, die durch die fallführenden Ärztinnen und Psychologen vorzunehmen und zu dokumentieren ist. ICD-10-Diagnosen müssen möglichst komplett mit Haupt- und Nebendiagnosen inkl. somatischen Diagnosen codiert sein. Beides bedeutet für die fallführenden Psychologinnen und Psychologen einen zusätzlichen administrativen Aufwand, der in der Regel auch zu Lasten der Therapiezeit geht.
  • Neu werden Psychologinnen und Psychologen in einzelnen Kliniken vermehrt Rückfragen zu gestellten Diagnosen und Schweregradeinschätzungen beantworten müssen, was ebenfalls zusätzlich Arbeitszeit in Anspruch nehmen wird.
  • Für diese Dokumentationsprozesse sind teilweise sehr kurze Fristen angesetzt (Dokumentation innert drei Tagen nach Eintritt), was ebenfalls zu zusätzlichem Aufwand und Prozessanpassungen führt.

Die FSP verfolgt die Entwicklung aufmerksam und nimmt gerne Rückmeldungen von betroffenen Psychologinnen und Psychologen entgegen, so dass sie sich gegebenenfalls im Rahmen der Weiterentwicklung der Tarifstruktur entsprechend einbringen kann.

Weitere Informationen