06.07.2018

Oft in der ersten Person sprechen ist nicht immer egozentrisch

© Shutterstock - Antonio Guillem

Wir alle kennen Menschen, die praktisch jeden zweiten Satz mit «Ich» anfangen. Dies wird vielfach als «narzisstisch» oder «egozentrisch» bezeichnet. Zu Unrecht, wie jetzt ein Forschungsteam der US-Universität Arizona zeigt. Einer im Journal of Personality and Social Psychology veröffentlichten Studie zufolge versteckt sich hinter diesem Verhalten eine grosse emotionale Not.

Zu dieser Schlussfolgerung kam das Forschungsteam, nachdem es die Ergebnisse von Untersuchungen an mehr als 4700 Personen ausgewertet hatte. Dabei ging es um Experimente mit verschiedenen Zielsetzungen, aber auch Gemeinsamkeiten: Bei allen sollten die Probandinnen und Probanden eine Sprachaufgabe lösen und Tests absolvieren, die ihre Stimmung und Persönlichkeit einschätzten. Die Auswertung der Häufigkeit, mit der die Testpersonen Pronomen wie «ich», «mir» oder «mein» benutzten, führte zu folgendem Fazit: Je mehr ein Mensch solche Wörter benutzt, desto grösser ist seine emotionale Instabilität und desto stärker sind seine Depressionssymptome. Doch die Tatsache, dass jemand sehr viel über sich selbst spricht, reicht natürlich noch nicht aus, um eine Depression zu diagnostizieren, sondern muss mit weiteren Faktoren abgeglichen werden, präzisieren die Forschenden. 

Tackman, A. M., Sbarra, D. A., Carey, A. L., Donnellan, M. B., Horn, A. B., Holtzman, N. S., ...Mehl, M. R. (2018). Depression, negative emotionality, and self-referential language: A multi-lab, multi-measure, and multi-language-task research synthesis. Journal of Personality and Social Psychology. Advance online publication. doi : 10.1037/pspp0000187