25.07.2018

Unser Gefühlszustand beeinflusst, was wir sehen

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Das hat ein Forschungsteam um die Psychologin Erika Siegel von der University of California in San Francisco festgestellt. In einer Studie zeigte sie, dass Menschen ein neutrales Gesicht als eher lächelnd ansehen, wenn es mit einem "unsichtbaren" positiven Bild verbunden ist, das sie unbewusst wahrnehmen.

Die Forschenden wandten eine Methode an, die "Continuous flash suppression" genannt wird. Hierbei setzten sie die Testpersonen ohne deren Wissen bestimmten Stimuli aus. Sie präsentierten ihnen blinkende Bilder vor dem dominanten Auge, immer abwechselnd ein verpixeltes Bild und einen neutralen Gesichtsausdruck.

Gleichzeitig wurde dem nicht dominanten Auge ein kontrastarmes Bild eines lächelnden, grimmigen oder neutralen Gesichts präsentiert. Das zweite Bild wurde in der Regel nicht bewusst wahrgenommen. Am Ende jedes Versuchs sollten die Testpersonen unter einer Reihe von fünf Gesichtern dasjenige auswählen, das am besten zum Gesicht passte, das sie gesehen hatten.

Das dem dominanten Auge präsentierte Gesicht war in Wirklichkeit immer neutral. Die Forschenden stellten jedoch fest, dass die Testpersonen dazu neigten, lächelnde Gesichter auszuwählen, wenn das unsichtbare Bild, das ihnen vorgeführt worden war, eine lächelnde Person zeigte. Diese Ergebnisse zeigen, dass die menschliche Wahrnehmung aktiv ist - wir nehmen nicht passiv Informationen wahr und reagieren dann darauf. Was wir fühlen, hat einen massgeblichen Einfluss auf unser Erleben.

Siegel, E. H., Wormwood, J. B., Quigley, K. S., & Barrett, L. F. (2018). Seeing what you feel: Affect drives visual perception of structurally neutral faces. Psychological Science. doi: 10.1177/0956797617741718

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