12.09.2018 / aktualisiert am: 13.09.2018

Der Teufel steckt im Detail

Wir alle sind das eine oder andere Mal einer "Teufelei" verfallen: Ein Detail zu übersehen kann einem tatsächlich gehörigen Ärger einbringen.

Von Aurélie Faesch-Despont, publiziert im Psychoscope 5/2018

Nach ei­nem Wochenende in London den Flug verpassen, weil man nicht abgeklärt hat, von welchem Flughafen aus man abfliegt. Einen Versicherungsvertrag mit einer Laufzeit von zehn Jahren abschliessen, weil man vergessen hat, das Kleingedruckte durchzulesen. Oder ein berufliches Projekt in den Sand setzen, weil man es versäumt hat, be­stimmte Parameter zu berücksichtigen.

Mit ihrem "Gorilla­-Experiment" haben Christopher Chabris und Daniel Simons gezeigt, dass wir der "Unauf­merksamkeitsblindheit" zum Opfer fal­len können und ein eigentlich ziemlich auffälliges Element nicht wahrnehmen. Die beiden Psychologen hatten ihre Studierenden aufgefordert, die Anzahl der Pässe während eines Basketball­ spiels in einem Videoclip zu zählen.

Die Studierenden waren sehr konzent­riert bei der Sache, und die Hälfte von ihnen bemerkte nicht, dass gegen Mitte des Films ein Gorilla auf das Spielfeld kam, dort stehen blieb, sich mehrmals auf die Brust klopfte und dann auf der anderen Seite die Szenerie verliess. Das Experiment beweist, dass wir gar nicht so selten wichtige Details verpassen - unbewusst.

Es lohnt sich, eine kleine Anstren­gung auf sich zu nehmen, um diese Blindheit zu umgehen. Wer sich die Zeit nimmt, sich auf Details zu konzen­trieren, kann nämlich nicht nur Ärger vermeiden, sondern auch wichtige Informationen in Erfahrung bringen. Dann könnte man analog zum obigen Spruch fast schon sagen, dass "der Gott im Detail steckt".

Wie die kanadische Arbeits-­ und Organisationspsychologin Liane Davey gegenüber einer Journa­listin der Website qz.com sagte, können Details eine hochinteressante Infor­mationsquelle sein, beispielsweise bei Vorstellungsgesprächen. Die Expertin rät, die Örtlichkeiten aufmerksam zu beobachten, um Dinge zu entdecken, die einiges über das Unternehmen aussagen. Begrüssen die Mitarbeite­rinnen und Mitarbeiter die Person am Empfang? Sind am schwarzen Brett Informationen zu geplanten oder vergangenen gemeinsamen Aktivitäten zu finden? Holt der Vorgesetzte selbst ein Glas Wasser für Sie oder schickt er seine Assistentin?

Wer solche Details beobachtet, erhält wertvolle Hinweise zur Atmosphäre im Team oder zur Bedeutung der Hierarchie. Es geht jedoch nicht darum, sich in Details zu verlieren und den Blick für das Ganze zu vernachlässigen. Sonst macht man sich womöglich ein falsches Bild und geht letztendlich einen Pakt mit dem berüchtigten Teufel ein.

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