10.10.2018 / aktualisiert am: 11.10.2018

Tag der psychischen Gesundheit am 10. Oktober: und du, was würdest du machen ? (Strassenumfrage)

Erste-Hilfe-Massnahmen bei körperlichen Problemen sind weitläufig bekannt. Doch wie sieht es bei psychischen Problemen aus?

Die Föderation der Schweizer Psychologinnen und Psychologen hat anlässlich des internationalen Tags der psychischen Gesundheit am 10. Oktober in mehreren Städten der Schweiz Strassenumfragen durchgeführt. Erste-Hilfe-Massnahmen bei körperlichen Problemen sind weitläufig bekannt. Doch wie sieht es bei psychischen Problemen aus? Die Antwort in Bildern.


Medienmitteilung zum Tag der psychischen Gesundheit am 10. Oktober 2018

Versorgung psychisch Kranker sichern

Psychische Erkrankungen sind häufig, sie lassen sich jedoch wirksam behandeln. Je früher, desto besser. Nur: In der Schweiz bestehen Versorgungsengpässe bei der ambulanten Psychotherapie. Der Bund muss diese nun endlich beheben.

Die Mehrheit der in der Schweiz lebenden Personen fühlt sich psychisch gesund. Dies zeigte die Ge-sundheitsbefragung 2012. Ein psychisch gesunder Mensch kann sein Potential ausschöpfen, die Belas-tungen des Alltags bewältigen und produktiv arbeiten. Die Grenze zwischen psychisch gesund und psy-chisch krank verläuft jedoch unscharf. Fakt ist: Jeder zweite in der Schweiz lebende Mensch leidet einmal im Verlaufe seines Lebens an einer psychischen Krankheit, die Behandlung bedarf. Sei es in der Familie, im Rahmen der Arbeit oder bei Freizeitaktivitäten: Sind wir nicht selbst betroffen, so werden wir in unserem Umfeld mit psychischen Erkrankungen konfrontiert.

Wirksame Behandlung
Psychotherapie reduziert oder heilt wirksam und nachhaltig psychisches Leiden. Sie befähigt Menschen, ihr Leben wieder selbstbestimmt in die Hand zu nehmen und Krisen mit der Zeit ohne professionelle Hilfe zu bewältigen. Das ist wissenschaftlich nachgewiesen und anerkannt. Rechtzeitig eingesetzt verhindert sie effizient und effektiv wirtschaftliche Folgekosten.
Psychische Krankheiten müssen zwingend behandelt werden. Je früher eine Therapie einsetzt, desto wirksamer ist sie. Ein Drittel der Betroffenen nimmt heute keine psychotherapeutische Behandlung in Anspruch, obwohl sie angezeigt wäre. Nicht behandelte psychische Störungen führen zu chronischen Leiden und zusätzlichen körperlichen Erkrankungen. Mit fatalen Folgen, nicht nur finanziell: In der Schweiz sterben pro Jahr gut 1000 Menschen durch Suizid, zehnmal so viele müssen in der Folge eines Suizidversuchs medizinisch versorgt werden.

Versorgungslücken und Zugangshürden
Bei der ambulanten Versorgung psychisch Kranker besteht dringender Handlungsbedarf. Dies hat auch das Bundesamt für Gesundheit in einer eigenen Studie aufgezeigt: Es fehlt an ausreichend Angeboten, besonders für Kinder und Jugendliche, und es bestehen lange Wartefristen: Wer einen Therapieplatz sucht, wartet nicht selten mehrere Wochen oder Monate auf den ersten Termin. Dabei ist erwiesen: Je früher eine Behandlung einsetzt, desto kürzer und erfolgreicher ist sie.

Der Ball liegt beim Bund
Die Lösung ist seit Jahren bekannt: Bestausgebildete Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, die bereits heute 39% der Patienten und Patientinnen mit psychischen Erkrankungen behandeln, könnten die Versorgung sicherstellen. Dies setzt aber einen Wechsel des Abrechnungsmodells in der Grundversicherung voraus. Die Fakten sind Gesundheitsminister Berset und dem Bundesamt für Gesundheit bekannt - die entsprechende Handlung ist seit Jahren überfällig.

Druck der Psychologieverbände
Die grossen Berufsverbände der Psychologinnen und Psychologen wollen den Gesundheitsminister mit einer Briefaktion wachrütteln. In unzähligen Briefen fordern deren Mitglieder Berset zum Handeln auf. Dieser Aktion folgend starten die Verbände noch vor dem Jahresende eine breit angelegte Petition. Höchste Zeit, dass auch psychisch Kranke gehört werden!

Für Rückfragen:
Medienstelle FSP, 031 388 88 48, mediafsp.psychologiech

>> Medienmitteilung als PDF

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Das heutige Modell: Delegierte PsychotherapieDie Lösung: Das Anordnungsmodell

Psychologische Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten erbringen ihre Leistungen als Angestellte in einer Arztpraxis unter Aufsicht und in der Verantwortung des delegierenden Arztes, der die Leistung nach TARMED mit der Grundversicherung abrechnet. Dieser Flaschenhals führt zu unnötigen Wartezeiten und Versorgungslücken.

Ärztinnen und Ärzte müssen eine Psychotherapie anordnen. Psychologinnen und Psychologen mit einem Weiterbildungstitel in Psychotherapie erbringen die Leistung in der Folge selbständig und in eigener Verantwortung und rechnen die Leistungen mit der Grundversicherung direkt ab.
Der rechtzeitige Zugang zur Versorgung ist sichergestellt.

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Die Föderation der Schweizer Psychologinnen und Psychologen (FSP) wurde 1987 gegründet und ist der grösste Berufsverband von Psychologinnen und Psychologen in der Schweiz. Sie zählt heute über 7700 Mitglieder und besteht aus 46 Gliedverbänden. Die FSP ist eine aktive, politische und gesellschaftliche Kraft im Dienste der psychischen Gesundheit, der persönlichen Entwicklung und der Leistungsfähigkeit aller. www.psychologie.ch