06.11.2018

Motorisches Gedächtnis stärken – statt pausieren trainieren

Die Testpersonen regulierten mit einer Art Joystick den Kraftaufwand. Körperliche Aktivität spielt eine wichtige Rolle bei der Konsolidierung des motorischen Gedächtnisses. © Shutterstock.com - George Dolgikh

Wer sich unmittelbar nach dem Erlernen einer neuen motorischen Fähigkeit körperlich betätigt, fördert damit deren langfristige Verankerung. Forschende der kanadischen McGill-Universität haben in einer in der Fachzeitschrift NeuroImage veröffentlichten Studie erstmals gezeigt, dass schon fünfzehn Minuten Herz-Kreislauf-Training die Konnektivität und Leistungsfähigkeit des Gehirns verbessern können.

Auf Anweisung der Forschenden sollten die Probandinnen und Probanden verschiedene Aufgaben ausführen. Die erste bestand darin, mit einer Art Joystick unter Anwendung von mehr oder weniger Kraft einen Cursor nach oben oder unten zu bewegen. Darauf folgte eine Bewegungs- oder Ruhephase von fünfzehn Minuten. Anschliessend ging es darum, die Aufgabe in einer verkürzten Form jeweils 30, 60 und 90 Minuten nach einer Bewegungs- oder Ruhephase zu wiederholen. Während dieser Zeit massen die Forschenden die Hirnaktivität der Testpersonen. Im letzten Teil der Studie wiederholten diese die erste Aufgabe acht und 24 Stunden, nachdem sie sie zum ersten Mal ausgeführt hatten. So konnten die Forschenden die Hirnaktivität und -konnektivität nach der Konsolidierung des motorischen Gedächtnisses erfassen und vergleichen.

Fazit: Die Testpersonen, die sich körperlich betätigt hatten, waren durchgängig in der Lage, die Aufgabe effizienter und mit weniger Hirnaktivität zu erledigen als diejenigen, die sich ausgeruht hatten. Wichtiger noch ist der Umstand, dass die Verringerung der Hirnaktivität mit einer besseren Beherrschung der motorischen Fähigkeit nach 24 Stunden einherging. Den Forschenden zufolge deuten die Ergebnisse also darauf hin, dass eine intensive körperliche Aktivität – auch wenn sie nur über einen kurzen Zeitraum ausgeführt wird – während der Konsolidierung des motorischen Gedächtnisses zu einem optimalen Gehirnzustand führt. Diese Erkenntnis könnte es Patientinnen und Patienten ermöglichen, die einen Hirnschlag erlitten haben oder nach einem Unfall körperlich eingeschränkt sind, sich schneller zu rehabilitieren.

Dal Maso, F., Desormeau, B., Boudrias, M.-H., & Roig, M. (2018). Acute cardiovascular exercise promotes functional changes in cortico-motor networks during the early stages of motor memory consolidation. NeuroImage, 174, 380–392. doi: 10.1016/j. neuroimage. 2018.03.029

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