07.12.2018

Wenn unser Gehirn Rache unterdrückt

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Ziel: Der Wunsch nach Rache wird bisweilen durch Wut ausgelöst. Olga Klimecki-Lenz vom Interfakultären Zentrum für affektive Wissenschaften (CISA) an der Universität Genf untersuchte, was in diesem Moment im Gehirn geschieht. Sie wollte herausfinden, welche Hirnregionen reagieren, wenn eine Person wütend wird, und dann erklären, wie dieses Gefühl in einem Racheakt gipfelt.

Methode: Die Forschenden liessen die Testpersonen ein Spiel spielen, das erst ein Gefühl der Ungerechtigkeit, dann ein Gefühl der Wut auslöst, bevor dem «Opfer» schliesslich die Möglichkeit gegeben wird, Rache zu nehmen. Die Testpersonen wurden erst mit gerechtem Verhalten eines ersten Spielers, dann mit ungerechten Provokationen eines zweiten Spielers konfrontiert. Über bildgebende Verfahren konnten die Forschenden zeigen, welche Bereiche im Hirn aktiviert werden, wenn jemand Ungerechtigkeit und Wut empfindet.

Resultate: Im Allgemeinen blieben die Testpersonen gegenüber dem ehrlichen Spieler freundlich, entwickelten aber gegenüber dem «bösen» Spieler Rachegefühle. Die Hirnregion für das Gefühl «Wut» konnte lokalisiert werden: Je stärker sie wurde, desto intensiver war die Aktivität im oberen Temporallappen und in der Amygdala. Der Versuch zeigte vor allem auf, welche wichtige Rolle der dorsolaterale Präfrontalcortex – im Frontallappen des Gehirns – bei der Steuerung von Emotionen spielt. Je stärker dieser während der Provokation aktiviert war, desto kürzer und schwächer waren die Rachegefühle. Es scheint, dass dieser Hirnmechanismus den Racheakt verhindert.

Klimecki, O. M., Sander, D., & Vuilleumier, P. (2018). Distinct Brain Areas involved in Anger versus Punishment during Social Interactions. Scientific Reports, 8(1): e10556. doi: 10.1038/s41598-018-28863-3

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