28.11.2018

Wenn sich die Minderheit aufdrängt: 25 Prozent lassen Meinung kippen

Wird der Anteil von 24,3 Prozent überschritten, kann die Minderheit andere schnell überzeugen und die vorherrschende Meinung kippen. © Shutterstock.com

Den Abfall besser trennen, die Höchstgeschwindigkeit einhalten, das Rauchen aufgeben... Regelmässig versuchen Behörden, das Verhalten von Bürgerinnen und Bürgern zu beeinflussen.

Ob sich eine solche Verhaltensänderung durchsetzt, hängt in hohem Masse davon ab, ob die Befürworter des neuen Verhaltens auch andere davon überzeugen können. Doch wie gross muss der Anteil der Minderheit sein, um den Rest der Bevölkerung zu überzeugen? Eine kürzlich durchgeführte Studie ergab, dass diese Schwelle bei nahezu 25 Prozent liegt.

Damon Centola und seine Kollegen von den Universitäten Philadelphia und London untersuchten, unter welchen Umständen eine kleine Gruppe motivierter Personen die vorherrschende Meinung kippen kann. Über ein Spiel liessen die Forschenden eine Gruppe aus nahezu 200 Internetnutzern zu einem Konsens finden. Danach brachten die Psychologen eine engagierte Minderheit ein, die versuchte, den etablierten Kompromiss durch eine von ihr vorgeschlagene Alternative zu ersetzen. Die Minderheit verhielt sich hartnäckig und hatte eine Strategie, von der sie auch nach Misserfolgen nicht abwich.

Durch Variation der Grösse der eingebrachten Minderheitsgruppe konnten die Forschenden zeigen, dass die Minderheit nicht mehr als sechs Prozent der Gesamtgruppe überzeugen kann, wenn ihr Anteil unter 24,3 Prozent liegt. Wird dieser Anteil jedoch überschritten, kann die Minderheit andere schnell überzeugen und die vorherrschende Meinung kippen.

Centola, D., Becker, J.,Brackbill, D., & Baronchelli, A. (2018). Experimental evidence for tipping points in social convention. Science, 360 (6393), 1116-1119. doi: 10.1126/ science.aas8827

 

Links