03.01.2019

Der erste Eindruck

Wir unterschätzen die Qualität des ersten Eindrucks, den wir bei anderen hinterlassen. © Shutterstock.com - Fabio Tirado.

Zu vorsichtig und zu selbstkritisch

Finden mich die anderen interessant oder langweilig, egoistisch oder altruistisch? In unserem gesellschaftlichen Leben setzen wir uns ständig mit dem auseinander, was von Forschenden als «Metawahrnehmung» bezeichnet wird. Dies bedeutet, dass wir zu verstehen versuchen, wie die anderen uns wahrnehmen. Laut einer in Psychological Science veröffentlichten Studie schätzen uns die anderen stärker, als wir denken.

Ein Forschungsteam der US-amerikanischen Universität Cornell um die Psychologin Erica Boothby fand heraus, dass die präzise Einschätzung, was ein neuer Gesprächspartner an uns schätzt, viel schwieriger ist, als wir denken. Es analysierte das Verhalten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer beispielsweise in Konversationsworkshops und mehr oder weniger langen Gesprächen zwischen neuen Kontakten – untersucht wurden also unterschiedliche alltägliche Interaktionen. Die Testpersonen mussten anschliessend ihre Einschätzung darüber abgeben, wie stark sie ihren Gesprächspartner geschätzt hatten und wie sehr sie sich von ihm geschätzt gefühlt hatten.

Die Ergebnisse zeigen, dass die meisten Menschen den von ihnen erzeugten ersten Eindruck unterschätzen. Dieser Einschätzungsfehler wird als «Liking Gap» bezeichnet. Um einen Erklärungsversuch für diese Fehleinschätzung zu finden, setzten sich die Forscher mit den Videos der Gespräche auseinander. Dabei fiel ihnen auf, dass die Betroffenen so stark damit beschäftigt waren zu überlegen, was sie sagen sollten oder nicht, dass sie die Wertschätzungssignale des Gesprächspartners wie Lächeln, Kopfnicken oder verbale Reaktionen nicht erkennen konnten. Diese Indizien werden hingegen von Aussenstehenden schnell wahrgenommen, so dass sie gar vorhersagen können, wie stark sich die Gesprächspartner wertschätzen.
Die Forschenden weisen darauf hin, dass diese pessimistische Beurteilung der Wertschätzung dadurch begründet sein kann, dass wir bei einem Gesprächspartner immer vorsichtiger und selbstkritischer sind als in Situationen, in denen wir unserer Qualitäten ohne sonstige Informationsquellen selbst einschätzen. Es ist wichtig, sich dessen bewusst zu sein, denn diese Selbstkontrolle kann uns daran hindern, Beziehungen zu anderen Menschen zu führen, die uns wertschätzen.

Studie

  • Boothby, E. J., Cooney, G., Sandstrom, G. M., & Clark, M. S. (2018). The liking gap in conversations: Do people like us more than we think? ­Psychological Science. doi: 10.1177/0956797618783714

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