10.01.2019

Grundlage des Kreationismus - Ein Denkfehler

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Obwohl es zahlreiche Argumente für die Evolutionstheorie gibt, mit der die Entstehung des Lebens auf der Erde erklärt wird, glauben viele Menschen daran, dass Gott das Leben so erschaffen hat, wie es heute ist. Auch in den sozialen Medien verbreiten sich derzeit rasant Ideen, die ein zunehmendes Misstrauen gegenüber wissenschaftlichen Erkenntnissen widerspiegeln. Kreationisten und Verschwörungstheoretikern ist gemeinsam, dass sie sich hinter den Ereignissen Strippenzieher mit verborgenen Absichten vorstellen. Beide lehnen auch Wissenschaft, Regierungen und offizielle Medien ab.

Forschende der Universitäten Freiburg, Rennes und Paris Saint-Denis stiessen bei ihrer Suche nach einer Erklärung dieser alternativen Überzeugungen auf eine kognitive Verzerrung, die sie als «teleologische Verzerrung» bezeichnen. Sie spielt sowohl beim Kreationismus als auch bei Verschwörungstheorien eine Rolle. Nachdem diese Denkweise bei Kindern bereits als Hindernis für das Verständnis der Evolution bekannt war, wurde sie zum ersten Mal bei erwachsenen Kreationisten und Verschwörungstheoretikern identifiziert. Die Ergebnisse basieren auf einer in der Schweiz bei etwa 150 Universitätsstudierenden durchgeführten Umfrage, in der sich zeigte, dass die Verleihung einer Funktion und eines Sinns an Naturphänomene signifikativ mit der Bereitschaft korreliert, an Verschwörungstheorien zu glauben. Im Anschluss daran wurde in Frankreich eine umfangreiche Erhebung durchgeführt, bei der ein starker Zusammenhang zwischen konspirativen und kreationistischen Überzeugungen nachgewiesen wurde. Und mit einem von über 700 Personen ausgefüllten Online-Fragebogen konnte die Korrelation zwischen teleologischer, kreationistischer und verschwörungstheoretischer Denkweise bestätigt werden. Dies teils unabhängig von anderen Variablen wie der Religion, dem Alter oder dem Bildungsniveau.

Laut den Forschenden können aus diesen Ergebnissen wichtige Konsequenzen für den naturwissenschaftlichen Unterricht und die Entwicklung des kritischen Denkens abgeleitet werden. Auch können die Erkenntnisse in die Bekämpfung der in den sozialen Netzwerken kursierenden Falschnachrichten einfliessen.

Wagner-Egger, P., Delouvée, S., Gauvrit, N., & Dieguez, S. (2018). Creationism and conspiracism share a common teleological bias. Current Biology, 28(16). doi: 10.1016/j.cub.2018.06.072

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