Negative Emotionen identifizieren und Depressionen vorbeugen

Aurélie Faesch-Despont
Forschung
Verband
Ob man nun gereizt, wütend, unruhig oder von Schuldgefühlen geplagt wird: Die effizienteste Art, mit diesen Gefühlen umzugehen, ist nicht immer dieselbe. Um aber negative Emotionen erfolgreich zu handhaben, muss man sie erst identifizieren können.

Zahlreiche Studien haben bereits einen Bezug zwischen der mangelnden Fähigkeit, negative Emotionen zu unterscheiden, und Depressionen hergestellt. Allerdings nur zu einem bestimmten Zeitpunkt, was es unmöglich macht, einen kausalen Zusammenhang aufzuzeigen. Um hierüber mehr Klarheit zu bekommen, hat Lisa Starr von der Universität Rochester (USA) eine Längsschnittstudie an Jugendlichen durchgeführt. Ihnen fällt es im Allgemeinen besonders schwer, Emotionen zu unterscheiden.

An der Studie nahmen rund 233 gesunde amerikanische Jungen und Mädchen im Alter von 14 bis 17 Jahren teil. Zunächst befragten die Forschenden die Teenager zu depressiven Symptomen und stressreichen Ereignissen in den letzten zwölf Monaten. In den folgenden sieben Tagen beantworteten die Jugendlichen viermal täglich auf ihrem Smartphone Fragen zu ihrer Stimmung. Dabei konnten sie aus einer Auswahl von zwölf negativen und fünf positiven Gefühlen wählen. Zusätzlich konnten sie die in den vorhergegangenen Stunden erlebten alltäglichen Belastungen notieren und den Schweregrad bewerten.
 
Anderthalb Jahre später wurden die Jugendlichen erneut zu in dieser Zeit erlebten depressiven Symptomen und stressreichen Ereignissen befragt. Die Forschenden stellten fest, dass diejenigen, die in der Testwoche unfähig waren, ihre negativen Emotionen zu differenzieren, auch eher dazu neigten, nach kleineren Belastungen vorübergehend in depressive Stimmungen zu geraten. Sie litten auch anderthalb Jahre später eher unter depressiven Symptomen, wenn in der Zwischenzeit stressreiche Ereignisse aufgetreten waren. «Menschen, die Schwierigkeiten haben, negative Emotionen zu unterscheiden und zu benennen, können auch die Ursachen und Folgen ihrer emotionalen Reaktionen nicht identifizieren, was sie wiederum daran hindert, ihre Gefühle effizient zu regulieren», so die Forschenden.

Ein guter Weg, Depressionen bei Jugendlichen vorzubeugen und zu behandeln, besteht daher in ihren Augen darin, ihnen beizubringen, eine breitere Palette an (in der Regel negativen) Emotionen zu verstehen und zu identifizieren, um besser mit ihnen umgehen zu können.

Starr, L. R., Hershenberg, R., Shaw, Z. A., Li, Y. I., & Santee, A. C. (2019). The perils of murky emotions: Emotion differentiation moderates the prospective relationship between naturalistic stress exposure and adolescent depression. Emotion. doi: 10.1037/emo0000630 

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