Argumente

Psychische Erkrankungen sind weit verbreitet. Die Versorgung der Patientinnen und Patienten in der Schweiz durch ärztliche und psychologische Psychotherapeutinnen und -therapeuten ist heute nicht ausreichend. Die Aufnahme der psychologischen Psychotherapie in die Grundversicherung kann zur Lösung des Versorgungsproblems beitragen. Viele weitere Argumente sprechen für ein neues Abrechnungsmodell. 

Studien zeigen eine hohe Häufigkeit von psychischen Störungen und Erkrankungen. Die geschätzten volkswirtschaftlichen Kosten von psychischen Krankheiten belaufen sich in der Schweiz jährlich auf über 19 Milliarden Franken, das sind 3.2 Prozent des BIP.

Es braucht konkrete Lösungen, die der Erhaltung der psychischen Gesundheit und der möglichst frühen Entdeckung und Behandlung von psychischen Störungen dienen. Der Nutzen von Psychotherapien ist wissenschaftlich erwiesen. Durch eine adäquate psychotherapeutische Versorgung können direkte, aber auch indirekte Kosten wie Produktivitätseinbussen, lange Arbeitsabwesenheiten und hohe Sozialleistungsausgaben massiv reduziert werden.

Ein Problem dabei stellt der Versorgungsengpass dar: Im heutigen Modell der delegierten Psychotherapie sind die Psychiater und Psychiaterinnen erste Anlaufstelle für alle Psychotherapien, die über die Grundversicherung vergütet werden. Zahlen der FMH zeigen aber, dass bereits in wenigen Jahren ein signifikanter Mangel an Psychiatern und Psychiaterinnen herrschen wird. In ländlichen Gebieten ist die Situation bereits heute prekär.

Lösung: Psychologische Psychotherapie

Die psychologische Psychotherapie wird heute nur über die sogenannte delegierte Psychotherapie, unter ärztlicher Aufsicht, von der Grundversicherung übernommen. Selbständige Therapeut(inn)en müssen über die Zusatzversicherungen oder von den Patient(inn)en selber finanziert werden. Dadurch wird die Wahlfreiheit der Patient(inn)en eingeschränkt. Viele Patient(inn)en die keinen von der Grundversicherung finanzierten Therapieplatz finden, verzichten ganz auf eine Psychotherapie, was wiederum zu hohen Folgekosten führt.

Um dieses Problem zu lösen und der drohenden Unterversorgung im Bereich der psychischen Krankheiten entgegen zu wirken, gibt es eine naheliegende Massnahme: die Aufnahme der psychologischen Psychotherapie in den Leistungskatalog der Grundversicherung.

Psychologische Psychotherapeut(inn)en erbringen die gleichen psychotherapeutischen Leistungen wie ärztliche Psychotherapeut(inn)en, ihre Aus- und Weiterbildung ist auf dem gleich hohen Niveau wie die ihrer ärztlichen Kolleg(inn)en.

Mit der Abschaffung des delegierten Modells und einer neuen Regelung für die psychologischen Psychotherapeut(inn)en kann sichergestellt werden, dass auch in Zukunft genügend qualifizierte Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen für die Grundversorgung der schweizerischen Bevölkerung zur Verfügung stehen. Ein solcher Modellwechsel garantiert eine nachhaltige und qualitativ hochstehende Versorgungssicherheit.

Darum gehört die psychologische Psychotherapie in die Grundversorgung:
  • Verbesserung der Versorgungssituation für Patientinnen und Patienten.
  • Patientinnen und Patienten haben aktuell nur eingeschränkte Wahlmöglichkeiten. Sie sollen selbst entscheiden können, welche Therapeutin/welcher Therapeut zu ihnen passt.
  • In der Schweiz zeichnet sich ein Nachwuchsmangel in der Psychiatrie ab. Psychologische Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten können helfen, diese drohende Versorgungslücke zu schliessen
  • Es gibt nur EINE Psychotherapie. Deshalb ist unverständlich, weshalb bisher nur durch Psychiaterinnen und Psychiater ausgeführte Therapien von der Grundversicherung übernommen werden.
  • Eine direkte Abrechnung der psychologischen Psychotherapeutinnen und –therapeuten mit den Versicherungen schafft mehr Transparenz.
  • Das Psychologieberufegesetz (PsyG), das seit 2013 in Kraft ist, schützt den Titel psychologische Psychotherapeutin / psychologischer Psychotherapeut. Dies bildet eine wichtige Grundlage.