Psychologische Placebos sind auch wirksam

Aurélie Faesch-Despont
Verband
Der Placeboeffekt tritt nicht nur bei medizinischen Behandlungen auf: Placebos wirken auch dann, wenn ihnen psychologische Effekte zugeschrieben werden. Dies zeigten Psychologen der Universität Basel.

Psychotherapie und Placebos sind Interventionen, die nicht nur vergleichbare Wirkungen haben, sondern auch auf ähnlichen Mechanismen beruhen: So werden beide Behandlungen stark von der Beziehung zwischen Behandlerin und Patient sowie der Besserungserwartung beeinflusst. Die bisherige Placeboforschung geht von einem biomedizinischen Modell aus: Einer an sich inhaltsleeren Pille wird eine medizinische Bedeutung zugeschrieben. Die Psychologen wollten den Effekt von Placebos bewerten, denen eine psychologische Bedeutung zugeschrieben wird. Dazu führten sie drei unabhängige Experimente mit 421 gesunden Teilnehmenden durch. Als Placebo verwendeten sie kurze Filme, die vorwiegend in Grün gestaltet wurden. Diese Filme wurden mit oder ohne ein psychologisches Narrativ («Grün beruhigt, weil es früh geprägte emotionale Schemata aktiviert») sowie im Kontext einer neutralen oder aber einer freundlichen Beziehung präsentiert. Nach der Betrachtung des Placebos bewerteten die Teilnehmenden während mehreren Tagen ihre Befindlichkeit. 

Es zeigte sich, dass das Placebo dann eine positive Wirkung auf sie hatte, wenn es zusammen mit einem psychologischen Narrativ sowie im Kontext einer freundlichen Beziehung verabreicht wurde. Gemäss den Forschenden waren die Effekte vergleichbar mit jenen von psychotherapeutischen Interventionen bei gleichen Populationen.

Gaab, J., Kossowsky, J., Ehlert, U., & Locher, C. (2019). Effects and components of placebos with a psychological treatment rationale – Three randomized-controlled studies. Scientific Reports. doi: 10.1038/s41598-018-37945-1