Psychoscope-Blog – Trainingsprogrammen zur Stärkung der Erziehungskompetenz

Françoise Genillod-Villard
Forschung
Psychoscope-Blog
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Trainingsprogramme zur Stärkung der Erziehungskompetenz zeigen Wirkung beim Umgang mit Kindern mit externalisierenden Verhaltensstörungen.

Das zeigt dieses kritische Review mit Fokus auf Interventionen zur Vorbeugung und Stabilisierung von Verhaltensstörungen im Kindesalter und auf der Stärkung der Eltern-Kind-Beziehung. Bei den Interventionen geht es hauptsächlich um die Neustrukturierung des Familiensystems und die Einführung von Verhaltensprogrammen für Eltern, deren Kind externalisierende Verhaltensprobleme aufweist.

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Françoise Genillod-Villard
Psychologin FSP-SGRP, Kriminologin, Beraterin
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In diesem Beitrag werden vier Parent Training Programs (PTP) vorgestellt, die mit einer experimentellen Methode (evidenzbasierte Interventionen) bewertet wurden. In den Programmen erlernen Eltern Strategien auf der Grundlage von sozialem Lernen sowie positiver und negativer Verstärkung (z. B. Punkteplan, Time-out, soziale Verstärker). Das Ziel besteht darin, problematische kindliche Verhaltensweisen abzumildern, elterlichen Stress zu reduzieren, das Gefühl der Erziehungskompetenz zu steigern und die Eltern-Kind-Beziehung zu stärken. Die Betreuung der Eltern ist auf die Aneignung spezifischer Methoden für den Umgang mit problematischem Verhalten ausgerichtet (klare Anweisungen, konsequentes Handeln, Neubewertung von Umfeld und Grenzen, positive Aufmerksamkeit, Aufbau einer positiven Beziehung etc.). In der Therapie soll die Aufmerksamkeit der Eltern auf prosoziales statt auf unangemessenes Verhalten gelenkt werden. Die Interventionen sind in Phasen gegliedert und richten sich an einzelne Familien oder an Gruppen von Eltern, in Präsenz oder online. Interventionen im familiären Umfeld mit dem Fokus auf das Erziehungsverhalten können hinzukommen. 

Der Artikel berichtet von positiven Effekten auf Eltern: grössere elterliche Wärme, weniger Feindseligkeit gegenüber dem Kind, aber auch das Gefühl, an Erziehungskompetenz gewonnen zu haben, sowie ein erhöhtes psychisches Wohlbefinden und ein reduzierter elterlicher Stress. Bei Kindern zeigen Metaanalysen einen positiven Effekt von PTP im Sinne eine Abnahme von Verhaltensstörungen (Aggressivität und extreme Wutanfälle).

«Mit externalisierenden Störungen meinen wir unruhige, impulsive, aggressive, oppositionelle oder ungehorsame Verhaltensweisen. Diese werden als problematisch angesehen, wenn sie besonders stark und häufig auftreten und die Entwicklung des Kindes und dessen Anpassung an die verschiedenen Lebensumwelten beeinträchtigen.»

Mässigende Faktoren wie das Alter des Kindes und die Art der Intervention – einzeln oder in Gruppen, in Präsenz oder per Videoschalte – beeinflussen den Effekt der Programme. Sie wirken sich auf die Wirksamkeit, die Zugänglichkeit und die Abschlussquote des Programms aus. Auch Risikofaktoren wie eine elterliche Psychopathologie, der sozioökonomische Status der Familie, der Familienstand und die Intensität der kindlichen Verhaltensstörung haben Einfluss auf die Effekte bzw. darauf, wie lange diese anhalten, auf den Erfolg oder Misserfolg der elterlichen Betreuung und auf den Programmabbruch, egal ob dieser ganz zu Anfang oder im Verlauf des Programms erfolgt. Die entsprechenden Faktoren sollten bereits vor jeder Einzel- oder Gruppenbetreuung berücksichtigt werden, da sie sich massgeblich auf den Erfolg des Vorgehens auswirken.
Ein PTP schliesst je nach Situation eine medikamentöse Behandlung nicht aus und erfordert eine multidisziplinäre Zusammenarbeit sowie PTP-Weiterbildungen für betroffene Fachleute. 
 

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