«Schwerpunkt liegt auf Eigenverantwortung»

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Die Plattform formapsy.ch soll helfen, die Qualität der Fortbildung in der Psychologie zu fördern.

Nach mehreren Monaten intensiver Arbeit ist die Onlineplattform formapsy.ch nun aufgeschaltet. Auf ihr können Weiter- und Fortbildungsanbieter im Bereich Psychologie ihre Fortbildungen veröffentlichen. Diese werden in einer Onlineagenda klassifiziert und kategorisiert, die der Öffentlichkeit kostenlos zur Verfügung steht. Ausserdem bietet die Plattform Psychologinnen und Psychologen die Möglichkeit, absolvierte Fortbildungen zu protokollieren und sich personalisierte Bescheinigungen ausstellen zu lassen.

Leistungsfähig und benutzerfreundlich

Die FSP setzt sich seit jeher dafür ein, die hohe Qualität der von ihren Mitgliedern erbrachten Leistungen zu garantieren. Die Fortbildung bildet dabei einen wesentlichen Bestandteil. Jean-Baptiste Mauvais, der für die Weiter- und Fortbildung verantwortlich ist, erläutert: «Laut der Berufsordnung müssen alle Mitglieder Fortbildungen absolvieren. Dies trägt zur Qualität ihrer Interventionen bei und bringt einen Mehrwert im Vergleich zu Psychologinnen und Psychologen, die nicht Mitglieder der FSP sind.»

2018 wurde das Projekt für die neue Fortbildungsplattform lanciert. Sie war von Beginn an als praktischer Service für die Benutzerinnen und Benutzer konzipiert (siehe Artikel "Erste Schritte auf formapsy.ch"). Die Plattform erleichtert den Zugang zu einem äusserst vielfältigen Fortbildungsangebot mit von der FSP geprüfter und validierter Qualität, so dass Psychologinnen und Psychologen ihre zukünftigen Fortbildungen bestmöglich planen können. «Mit dieser neuen Plattform bietet die FSP allen Psychologinnen und Psychologen nun auch ein leistungsfähiges und benutzerfreundliches Tool, mit dem die Qualität der absolvierten Fortbildungen anerkannt und bescheinigt werden kann», erklärt Jean-Baptiste Mauvais. Die Ausstellung von Fortbildungsbescheinigungen war bis anhin eine mühsame Angelegenheit, sowohl für die Geschäftsstelle als auch für die Psychologinnen und Psychologen, die alle notwendigen Belege zusammentragen mussten.

Insbesondere für die psychologischen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten war die Entwicklung einer modernen und geeigneten Lösung notwendig, weil sie gemäss dem Bundesgesetz über die Psychologieberufe (PsyG) obligatorische Fortbildungen absolvieren müssen, um die Zulassung für ihre berufliche Praxis erneuern zu können. Von der Plattform profitieren aber nicht nur sie, sondern alle Psychologinnen und Psychologen. Mit den über die neue Plattform ausgestellten Bescheinigungen kann nun nachgewiesen werden, dass die Fortbildungsanforderungen erfüllt wurden. Die ausgestellten offiziellen Belege können beispielsweise im Rahmen von Bewerbungsprozessen bei Behörden oder sonstigen potenziellen Arbeitgebern vorgelegt werden. Die verschiedenen kantonalen Dienststellen fürs Gesundheitswesen sind dafür zuständig, die Erfüllung der Fortbildungspflicht für die im jeweiligen Kanton niedergelassenen Psychotherapeutinnen und Psychoherapeuten zu überprüfen und wurden deshalb bereits über die Existenz dieser neuen Plattform informiert.

Die Agenda der Fortbildungsangebote auf formapsy.ch ist zwar für alle kostenlos zugänglich, die Ausstellung von Bescheinigungen ist hingegen kostenpflichtig. Die Mitgliedschaft in der FSP ist allerdings keine Voraussetzung dafür. FSP-Mitglieder profitieren aber von wesentlich günstigeren Preisen. Dies soll einen klaren Anreiz setzen, Mitglied der FSP zu werden, um so in den Genuss des Vorzugspreises zu kommen.

Eigenverantwortung stärken

Die FSP versteht unter Fortbildung sämtliche Massnahmen für das Erwerben, Erweitern oder Vertiefen der im Rahmen der psychologischen Grundausbildung oder postgradualen Weiterbildung erworbenen Kenntnisse. Die Mitglieder werden somit aufgefordert, die jüngsten Entwicklungen in der Lehre, Forschung und Praxis zu verfolgen und diese in ihre berufliche Praxis zu integrieren sowie theoretische und praktische Kenntnisse in psychologischen und verwandten nicht psychologischen Fachbereichen zu erwerben und ihr berufliches Netzwerk zu erweitern. Jedes Mitglied muss im Rahmen der im Reglement über die Weiter- und Fortbildung (siehe Infobox auf der vorherigen Seite) festgelegten Anforderungen selbst entscheiden, welche Fortbildung in Anbetracht der jeweiligen beruflichen Situation und der vorgesehenen Karriereentwicklung als geeignet erscheint. «Der Schwerpunkt liegt auf der Eigenverantwortung und nicht auf der Überwachung. Wir möchten, dass unsere Mitglieder ihre Fortbildungspflicht erfüllen und sich dies bescheinigen lassen», sagt Jean-Baptiste Mauvais. Auf der neuen Plattform werden daher keine systematischen Kontrollen durchgeführt, sondern diese erfolgen stichprobenartig bei der Ausstellung der Bescheinigungen.

Wer über Fachtitel oder Zusatzqualifikationen verfügt, muss weiterhin 240 Fortbildungsstunden in einem Dreijahreszeitraum absolvieren, währenddessen Mitglieder ohne Fachtitel oder Zusatzqualifikation deren 120 absolvieren müssen. Die Coronakrise  hat die Auswahl an Fortbildungen allerdings stark eingeschränkt. Zahlreiche Kongresse, Kolloquien und Kurse wurden abgesagt. Der Vorstand der FSP hat darum entschieden, die Fortbildungspflicht für das Jahr 2020 um die Hälfte zu reduzieren. In den Dreijahreszeiträumen, die das Jahr 2020 enthalten, müssen FSP-Psychologinnen und FSP-Psychologen mit einem Fachtitel oder einer Zusatzqualifikation daher nur 200 anstatt 240 Stunden absolvieren. Für Mitglieder ohne Fachtitel oder Zusatzqualifikation gilt eine Fortbildungspflicht von 100 anstatt 120 Stunden.

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