Stellungnahme der FSP zu Konversionstherapien bzw. «reparativen» Verfahren bei Homosexualität und Transidentität

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Sogenannte Konversionstherapien oder reparative Verfahren haben zum Ziel, Homosexualität in Heterosexualität und Transidentität in Cisidentität umzuwandeln. Solche Therapieverfahren sind unethisch, menschenrechtsverletzend und gesundheitsschädigend. Die FSP lehnt sie mit Entschiedenheit ab. Die medizinische Indikation für reparative Therapien ist nicht gegeben. Nie.

Homosexualität ist eine Variante der sexuellen Orientierung. Sie hat selbst nichts mit Gesundheit oder Krankheit zu tun und bedarf keiner Therapie. Ebenso ist Transidentität eine Variante der Identitätsentwicklung. Als Konsequenz aus dieser Einsicht hat die American Psychiatric Association die Diagnose „Homosexualität“ 1973 aus dem offiziellen diagnostischen Manual (DSM) entfernt. Die WHO folgte diesem Beispiel, indem auch sie 1990 in der ICD die Diagnose Homosexualität gestrichen hat. 2022 wird in der ICD-11 die Diagnose Transsexualismus nicht mehr als psychische Erkrankung erscheinen.

Direkte und indirekte Diskriminierung, Stigmatisierung, Ablehnung und Mobbing haben erfahrungsgemäss schwerwiegende Auswirkungen auf die psychische und physische Gesundheit von Menschen mit homosexuellen und bisexuellen Orientierungen sowie auf Transmenschen. So finden sich bei ihnen höhere Raten von Depressionen, Angststörungen, Substanzmissbrauch und Suizidalität.

Selbstentwertung oder starke Schuld- und Schamgefühle aufgrund der eigenen Homosexualität oder Transidentität (Internalisierte Homo- und Transnegativität bzw. „Homophobie“ und „Transphobie“), können durch solche Konversionstherapien zusätzlich verstärkt werden. 

Es ist ein Anliegen der FSP, Stigmatisierungen von Menschen durch den Abbau von Unwissen und Vorurteilen entgegenzuwirken. Es ist auch Auftrag der FSP als Berufsverband über die geltende Berufsordnung und die Möglichkeit der Beschwerde an die Berufsethikkommission sicherzustellen, dass ihre Mitglieder die Grundrechte, die Würde und den Wert aller Menschen achten. Jede Form der Diskriminierung ist untersagt.

Kommentare

Udo Rauchfleisch

Udo Rauchfleisch

05/02/2020

Trotz alles Meinungsverschiedenheiten sind wir uns ja sicher in einem einig - und das ist das Hauptanliegen dieser Stellungnahme der FSP -, dass es eine Menschenrechtsverletzung ist, wenn jemand gezwungen wird, gegen die eigene sexuelle Orientierung zu leben, und wenn die Aussage einer Person über das eigene Geschlecht nicht respektiert wird.

Kim Schicklang

Kim Schicklang

04/02/2020

Die Umdeutung von körperlichen Variationen zu "Transidentität" ist psycho-pathologisierend. Und es ist eben gelogen, dass diese "Transidentität", die von Psychiatern erfunden worden ist, nicht mehr in psychiatrischen Büchern steht. Von der DSM-Diagnose "Gender Dysphorie" wird ja dann auch der ICD-11 abgeleitet. Dieses Reinwaschen der Fremdbestimmung ist schon sehr schäbig. Würden Psychiater Abweichungen des Körpers vom Geschlecht als existent anerkennen, dann würden sie von "Transsexualität" sprechen und nicht von "Transidentität".

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