Stellungnahme zum Bundesgesetz über die Krankenversicherung

Annick de Buman
Stellungnahmen
Verband
Die FSP fordert dringliches Handeln aufgrund einer drohenden Unterversorgung im ambulanten Bereich.

Die Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit des Nationalrats (SGK-N) schlägt eine Teilrevision des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG) vor, die den Fachkräftemangel in einzelnen Fachdisziplinen beheben und eine gute Versorgung sicherstellen will. Die FSP unterstützt diese Forderung und weist ergänzend darauf hin, dass bei einer Unterversorgung nicht nur spezifische, im Gesetz abschliessend aufgeführte Fachgebiete, einbezogen werden sollen. Konkret setzt sich die FSP dafür ein, dass bei einer drohenden Unterversorgung auch eine Ausnahmeregelung für Psychologinnen und Psychologen möglich ist. 

Am 1. Januar 2022 ist Art. 37 Abs. 1 KVG in Kraft getreten, welcher die Zulassung von Leistungserbringern, die zulasten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung OKP abrechnen, regelt. Verlangt werden neu mindestens drei Jahre Arbeitstätigkeit im beantragten Fachgebiet an einer anerkannten schweizerischen Weiterbildungsstätte, dies ohne Ausnahme. Bereits jetzt zeigen sich problematische Auswirkungen dieser neuen Regelung im Sinne einer drohenden Unterversorgung im ambulanten Bereich. 

Im Bereich der Psychotherapie herrscht aktuell ein Mangel an Psychiaterinnen und Psychiatern. Darum sehen sich viele Hausärztinnen und -ärzte sowie Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzte gezwungen, Patientinnen und Patienten mit psychischen Störungen selbst zu behandeln. Dies verursacht eine Fehlversorgung und entspricht nicht den Behandlungsbedürfnissen der psychisch erkrankten Patientinnen und Patienten. Psychologische Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten können mithelfen diese Lücke zu schliessen, sind aber nach Einführung des Anordnungsmodells per 1. Juli 2022 dringend darauf angewiesen, dass es genügend Ärztinnen und Ärzte gibt, welche eine Anordnung für Psychotherapie ausstellen können.

Die FSP betont die Wichtigkeit von effizienten und adäquaten Handlungsmöglichkeiten bei einer drohenden Versorgungsnot. Konkret unterstützt die FSP die Forderung der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren GDK, wonach Art. 37 Abs. 1 KVG mit einer Ausnahmeregelung ergänzt wird, für Fälle nachgewiesener massiver Unterversorgung. Ausserdem betont die FSP die Wichtigkeit einer raschen Inkraftsetzung der KVG-Revision und eine zeitnahe Umsetzung in den Kantonen, dies im Sinne der Patientinnen und Patienten. 
 

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