Stellungnahme zur geplanten Anhörung der SGK

Berufspolitik
Psychotherapie
Verband
Die Gesundheitskommission (SGK) des Ständerats plant gemäss der NZZ am Sonntag eine erneute Anhörung zur Einführung des Anordnungsmodells für die psychologische Psychotherapie. Die SGK Ständerat hat bereits im August 2020 kommuniziert, dass sie den Wechsel vom Delegations- zum Anordnungsmodell unterstützt. Auch die Schwesterkommission des Nationalrats unterstützte den Modellwechsel. Der Bundesrat hat den Entscheid über den Modellwechsel längst gefällt. Die FSP kennt die Gründe für die erneute Anhörung nicht, betont aber die Wichtigkeit der Einführung des Anordnungsmodells für alle Menschen, die dringend auf eine psychotherapeutische Behandlung angewiesen sind.

Gemäss einem Artikel in der NZZ am Sonntag vom 29. August 2021 will die Gesundheitskommission (SGK) des Ständerats alle involvierten Akteure zu Anhörungen bezüglich der Einführung des Anordnungsmodells für die psychologische Psychotherapie einladen. Dieses Vorgehen ist unüblich. Die Kommission hat sich bereits über den Modellwechsel informieren lassen. Sie hat kommuniziert, dass sie den Modellwechsel unterstützt. Der Bundesrat hat seinen Entscheid längst gefällt. Dabei hat er relevante Eingaben aus der Vernehmlassung berücksichtigt Die FSP kennt weder den Antrag, noch hat sie eine Einladung zur Anhörung erhalten. Sie ist im Grundsatz bereit, an einer Anhörung teilzunehmen und die positiven Auswirkungen des Bundesratsentscheids auf psychotherapeutische Versorgung darzulegen. Die FSP lehnt alle Manöver ab, welche das Patientenwohl gefährden könnten.

Aufgrund der im August 2020 durchgeführten Konsultation kennt die SGK die Gründe für den Modellwechsel bereits: Im Bereich der ambulanten Psychotherapie gibt es seit langem und erwiesenermassen Versorgungsengpässe, insbesondere in ländlichen Regionen sowie wenn Kinder und Jugendliche betroffen sind. Das Delegationsmodell ist längst überholt, mit ihm können die Engpässe nicht beseitigt werden. Der Bundesrat hat dies erkannt und deshalb die Einführung des Anordnungsmodells beschlossen. Die Kenntnis der Versorgungsproblematik dürfte der Grund für die Unterstützung des Modellwechsels durch die SGK Ständerat sein.

Das vom Bundesrat im März 2021 verabschiedete Modell ist ausgewogen. Mit dem Modellwechsel kann die problematische Unterversorgung rasch behoben werden. Weitere Massnahmen stellen sicher, dass mittel- bis langfristig eine allfällige Überversorgung verhindert werden kann. Zur Anordnung sind nur Ärztinnen und Ärzte der Grundversorgung sowie Fachärztinnen und Fachärzte der Psychiatrie und Psychotherapie berechtigt. Pro ärztliche Anordnung sind maximal 15 Sitzungen möglich. Die Kantone erhalten ein Instrument zur Angebotssteuerung, mit dem sie die Anzahl der zur Abrechnung berechtigen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in ihrem Kanton beschränken können. Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, die über die Grundversicherung abrechnen wollen, erhalten zusätzliche Auflagen bezüglich ihrer nachzuweisenden Praxiserfahrung. Zudem werden ein Monitoring und eine Evaluation durchgeführt, um die Auswirkungen der Neuregelung auf die Kosten und die Versorgung zu überwachen und falls nötig eine Anpassung der Regelung vorzunehmen.

Die FSP unterstützt diese Massnahmen, die die Qualität der Versorgung sichern und ein ungerechtfertigtes Mengenwachstum verhindern. Das Anordnungsmodell ist ein wichtiger Schritt für die psychische Gesundheit der Schweizer Bevölkerung. Die Corona-Pandemie hat zu einer Verschärfung der Versorgungsengpässe geführt. Investitionen in die psychische Gesundheit lohnen sich. Frühzeitige ambulante Behandlungen verhindern hohe Folgekosten, die sich in Form von stationären Aufenthalten, Arbeitsausfällen, Produktivitätsverlusten und Suizidversuchen nicht nur im Gesundheitswesen, sondern in der gesamten Volkswirtschaft auswirken.

Angesichts der aktuellen Versorgungsengpässe ist die Einführung des Anordnungsmodells für alle Patientinnen und Patientendringend notwendig, die auf qualifizierte psychotherapeutische Behandlungen angewiesen sind. Eigentlich bräuchte es Übergangslösungen, um bereits vor dem 1. Juli 2022 mehr Psychotherapieplätze zu schaffen, die von der Grundversicherung finanziert werden.

Kommentare

Kommentar hinzufügen