Suizide in  Gefängnissen - Risikofaktoren identifiziert

Joël Frei
Forschung
Verband
Dass Tod durch Suizid bei Inhaftierten öfter vorkommt als bei ähnlich alten Personen in der Allgemeinbevölkerung, ist keine neue Erkenntnis.

In einer Studie in 24 reicheren Ländern zeigte sich etwa, dass die Suizidrate unter männlichen Gefangenen drei bis acht mal so hoch war wie in der Allgemeinbevölkerung. Bei den Frauen war die Rate gar zehnmal so hoch.
 
Forschende um die Psychiaterin Shaoling Zhong von der chinesischen Central South University konnten nun die Risikofaktoren identifizieren, welche die erhöhte Rate erklären könnten. Sie untersuchten in ihrer Metaanalyse 77 Studien, die in 27 westlich geprägten Ländern, darunter auch die Schweiz, durchgeführt wurden. Sie unterschieden dabei insbesondere klinische, institutionelle und kriminologische Risikofaktoren, die zu einem Suizid führen können.

Die Auswertung der insgesamt 35 351 untersuchten Suizide ergab, dass Suizidgedanken, Suizidversuche in der Vergangenheit und die aktuelle psychiatrische Diagnose die grössten klinischen Risikofaktoren darstellen. Unter den institutionellen Faktoren waren Einzelhaft und das Ausbleiben von Besuchen am stärksten mit Suizid verbunden. Unter den kriminologischen Faktoren traten Untersuchungshaft, lebenslängliche Haftstrafe und die Verurteilung aufgrund eines Gewalt­akts besonders stark hervor.

Die Forschenden empfehlen, präventive Massnahmen zu etablieren, um denjenigen Risikofaktoren, die veränderbar sind, zu begegnen. Darunter fällt auch ein besserer Zugang zu evidenzbasierter psychologischer Betreuung. 

Zhong, S., Senior, M., Yu, R., Perry, A., Hawton, K., Shaw, J., & Fazel, S. (2020). Risk factors for suicide in prisons: a systematic review and meta-analysis. Lancet Public Health. doi: 10.1016/S2468-2667(20)30233-4

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