Suizidprävention - Wenn Facebook Hilfe schickt

Joël Frei
Forschung
Verband
Es überrascht heute nicht mehr sonderlich, dass grosse Internet-Technologiekonzerne persönliche Daten für Ziele verwenden, die den Benutzerinnen und Benutzern nicht explizit bewusst sind.

Facebook setzt beispielsweise seit 2017 auf maschinelles Lernen, um Suizidabsichten bei seinen Usern zu erkennen. Facebooks Algorithmen durchforsten auch Beiträge von Bekannten – «Sag mir, wo du bist!» oder «Hat jemand etwas von ihr/ihm gehört?» – und schliessen durch sie auf eine Gefährdung der betroffenen Person. Je nach Situation vermittelt Facebook der gefährdeten Person Informationen zu Beratungshotlines oder kontaktiert gar Notdienste für sie.

Doch wie kommt ein solches Angebot bei der Bevölkerung an? Die Psychologin Elizabeth Ford von der englischen Brighton and Sussex Medical School führte eine Umfrage bei 183 Benutzerinnen und Benutzern von sozialen Medien durch (62,3 Prozent von ihnen durchlebte eine Depression). Sie kommt zum Schluss, dass die Teilnehmenden die Risiken für die Privatsphäre höher gewichten als den Nutzen von gezielter Werbung für Beratungsstellen.

Zudem wurde die Analysemethode von Beiträgen in sozialen Medien an sich angezweifelt. Nur etwas über 20 Prozent der Befragten gaben an, dass ihre Aktivität in den sozialen Medien ihre bedrückte Stimmung aufzeigt, und nur drei Prozent waren der Meinung, dass der spezifische Inhalt ihrer Beiträge ihre Gefühle abbildet. Befürchtet wurde darüber hinaus, dass die Anwendung von unzuverlässigen Algorithmen zu Überdiagnostizierung führen könnte. Viele sorgten sich vor dem Stigma, fälschlicherweise als psychisch krank zu gelten. 

Ford, E., Curlewis, K., Wongkoblap, A., & Curcin, V. (2019). Public opinions on using social media content to identify users with depression and target mental health care advertising: mixed methods survey. JMIR Mental Health, 6(11). doi: 10.2196/129422

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