Tag der Psychischen Gesundheit – jetzt Hürden abbauen

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Die psychische Gesundheit ist in Krisenzeiten besonders gefährdet. Umso wichtiger ist es nun, bestehende Versorgungslücken und Zugangshürden zu beseitigen. Ambulante Psychotherapie muss für alle zugänglich sein und von der Grundversicherung bezahlt werden, sofern sie ärztlich angeordnet ist. Der Bundesrat sollte die entsprechende Verordnungsänderung so bald wie möglich verabschieden. Mit der fälligen Einführung des Anordnungsmodells für die psychologische Psychotherapie können menschliches Leid und hohe wirtschaftliche Folgekosten verhindert werden.

Der internationale Tag der psychischen Gesundheit am 10. Oktober fällt dieses Jahr in eine spezielle Zeit. Die Covid-19-Pandemie hat unser Leben in den vergangenen Monaten geprägt und verändert. Die Pandemie und die Massnahmen zu ihrer Eindämmung wirken sich auch auf die psychische Gesundheit aus. Menschen, die bereits vorher von psychischen Beeinträchtigungen betroffen waren, sind besonders gefährdet. Ihre Symptome haben sich in den letzten Monaten oft verstärkt und verschlimmert.

Dazu kommen die wirtschaftlichen Folgen der Krise und des Lockdowns. Viele Unternehmen mussten und müssen Sparmassnahmen ergreifen, Kurzarbeit anmelden und sogar Angestellte entlassen. Selbständig Erwerbende haben teilweise existenzielle Sorgen. Diese wirtschaftlichen Auswirkungen bleiben nicht ohne Folgen für die psychische Gesundheit. Aufgrund von Erfahrungen aus früheren Wirtschaftskrisen muss damit gerechnet werden, dass das Bedürfnis nach psychologischer und psychosozialer Unterstützung in den nächsten Wochen und Monaten steigen wird. Dies vor dem Hintergrund, dass schon heute, gemäss einer im Juni publizierten Studie, in der Schweiz jährlich rund 400'000 Personen mit einer behandlungsbedürftigen psychischen Störung unbehandelt bleiben.

Lange Wartefristen – hohe Folgekosten

Das zeigt, wie wichtig es ist, die bestehenden Zugangshürden im Bereich der ambulanten Psychotherapie zu beseitigen. Heute werden ambulante Psychotherapien nur dann von der Grundversicherung bezahlt, wenn sie von einem Psychiater durchgeführt werden oder von einem psychologischen Psychotherapeuten, der bei einer Ärztin oder einem Arzt angestellt ist. Dieses sogenannte Delegationsmodell schränkt das Angebot an Psychotherapieplätzen, die von der Grundversicherung finanziert werden, stark ein. Dies führt zu langen Wartefristen. Dadurch kommt es zu Chronifizierungen von psychischen Störungen, zu teuren stationären Aufenthalten und Arbeitsausfällen, die vermeidbar wären.

Das Delegationsmodell muss deshalb jetzt durch das Anordnungsmodell ersetzt werden. Diese sieht vor, dass auch Psychotherapien, die von selbständigen psychologischen Psychotherapeuten durchgeführt werden, von der Grundversicherung bezahlt werden, sofern sie auf Anordnung eines Arztes oder einer Ärztin erfolgen. «Das Anordnungsmodell sorgt für Chancengleichheit im Bereich der psychischen Gesundheit. Das Delegationsmodell ist ungerecht, da Patientinnen und Patienten, die ihre Therapie nicht selbst bezahlen können, viel zu oft und viel zu lange unbehandelt bleiben», sagt Yvik Adler, Co-Präsidentin der Föderation der Schweizer Psychologinnen und Psychologen (FSP).

Der Bundesrat hat es in der Hand

Die Verordnungsänderung, die zur Einführung des Anordnungsmodells nötig ist, liegt schon seit Sommer 2019 vor. Die entsprechende Vernehmlassung ist seit Oktober 2019 abgeschlossen. Breite Kreise sind sich einig, dass das Anordnungsmodell kommen muss, zuletzt haben sich auch die Gesundheitskommissionen des National- und Ständerats für das Modell ausgesprochen. Der Ball liegt beim Bundesrat, er muss nur noch entscheiden. Jetzt, zum Tag der psychischen Gesundheit und in einer Zeit, in der die psychische Gesundheit besonders gefährdet ist, ist der richtige Moment dafür.

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