Tarife für die psychologische Psychotherapie

Es ist ein zentrales Ziel der FSP, dass die psychologische Psychotherapie über die Grundversicherung abgerechnet werden kann. Parallel zu den Arbeiten für die dafür nötige Verordnungsänderung bereitet die FSP auch die zukünftige Tariflösung vor.

Um Leistungen über die obligatorische Krankenpflegeversicherung (OKP), die sogenannte Grundversicherung, abrechnen zu können, wird ein Tarifsystem benötigt. Einfach ausgedrückt ist dies ein Vertrag zwischen Leistungserbringern (psychologischen Psychotherapeut(inn)en) und Kostenträgern (Krankenversicherer). Darin wird geregelt, wer welche Leistungen zu welchem Preis und unter welchen Voraussetzungen abrechnen darf.

Wie bei anderen Verträgen auch werden die konkreten Bedingungen zwischen den Vertragspartnern ausgehandelt. Im Fall der psychologischen Psychotherapie sind die Verhandlungspartner die Psychologieverbände, welche die Leistungserbringer vertreten, und die sogenannten Einkaufsgemeinschaften (z. B. tarifsuisse), in denen die Krankenversicherer organisiert sind.

Da es sich um eine gesetzlich vorgeschriebene Leistungserbringung und -vergütung handelt bzw. handeln wird, existieren im Krankenversicherungsgesetz und den jeweiligen Verordnungen gewisse Vorgaben, die die Parteien einhalten müssen. So muss der Tarif sachgerecht sein, und es muss eine qualitativ hochstehende und zweckmässige gesundheitliche Versorgung zu möglichst günstigen Kosten erreicht werden (Art. 43 Abs. 6 KVG).

Um über das verhandelte Tarifsystem respektive über die OKP abrechnen zu können, müssen die einzelnen Leistungserbringer einem künftigen Tarifvertrag beitreten. Die FSP wird ihre Mitglieder zu gegebener Zeit über das entsprechende Prozedere informieren.

Basis eines Tarifsystems ist die Tarifstruktur. Sie beschreibt, welche konkreten Leistungen zu welchem Wert vergütet werden können. Die Tarifstruktur besteht aus Leistungsposten und Taxpunkten pro Posten.

Eine Tarifstruktur gilt jeweils für eine bestimmte Berufsgruppe und ist schweizweit gültig. So rechnen beispielsweise alle Schweizer Ärztinnen und Ärzte ihre ambulanten Leistungen über die Tarifstruktur Tarmed ab. 

Eine Tarifstruktur besteht aus verschiedenen Leistungsposten, in denen die von der - in unserem Fall -Therapeutin oder dem Therapeuten erbrachte Leistung erfasst werden. Jedem Leistungsposten wird eine Anzahl Taxpunkte zugeordnet, sozusagen sein "Gewicht" innerhalb der Tarifstruktur. Dieses ist umso höher, je aufwändiger und kostenintensiver die Leistungen des betreffenden Postens sind. So werden zum Beispiel Leistungen, die eine aufwändige Infrastruktur benötigen, betreffend Taxpunkte höher eingestuft.

Die einzelnen Taxpunkte werden nicht einfach zugeordnet, sondern müssen aufgrund von repräsentativen Kosten- und Leistungsdaten berechnet werden. 

Bau und Genehmigung einer Tarifstruktur

Der Bau einer Tarifstruktur erfolgt in einem ersten Schritt durch die Leistungserbringer und wird in einem zweiten Schritt idealerweise mit den Kostenträgern (Versicherer) abgestimmt. Die Genehmigung der Tarifstruktur ist Sache des Bundesrats. Die Genehmigung darf nur erteilt werden, wenn der Tarif höchstens die transparent ausgewiesenen und die für eine effiziente Leistungserbringung erforderlichen Kosten deckt (vgl. Art. 59c KVV). Erst wenn eine durch den Bundesrat genehmigte Tarifstruktur besteht, kann mit den Krankenversicherern der Taxpunktwert (die frankenmässige Bewertung der Taxpunkte) verhandelt werden. 

Die Grundlagen für den Bau und die Genehmigung einer eigenen Tarifstruktur für die psychologische Psychotherapie werden zur Zeit im Rahmen des Tarifprojekts der drei Verbände FSP, SBAP und ASP erarbeitet. 

Eine Übersicht über den zu durchlaufenden Prozess zur eigenen Tarifstruktur finden Sie in diesem Psychoscope Artikel

Taxpunktwerte

Der konkrete (Franken)Betrag, der für eine Leistung vergütet wird, ergibt sich aus der Multiplikation des Taxpunktes mit dem Taxpunktwert. Taxpunktwerte werden ebenfalls zwischen den Leistungserbringern und den Krankenversicherern verhandelt. Sie können national, regional oder kantonal festgelegt werden. Die verhandelten Taxpunktwerte müssen von der jeweiligen Kantonsregierung auf Billigkeit und Wirtschaftlichkeit überprüft werden. Erfolgt keine Einigung, wird der Taxpunktwert durch den Regierungsrat des jeweiligen Kantons und in letzter Instanz durch das Bundesverwaltungsgericht festgesetzt.

Tarifprojekt der FSP

Die FSP - zusammen mit SBAP und ASP - steckt mitten in den Arbeiten zu einer neuen Tariflösung.