Unbewusst Erlebtes bleibt haften

Forschung
Verband
Wir können viele komplexe Sachverhalte unbewusst in unserem episodischen Gedächtnis langzeitspeichern, ohne etwas zu vergessen. Das haben Forschungen aus Bern gezeigt.

Ziel: Unsere Erlebnisse werden automatisch im sogenannten episodischen Gedächtnis abgespeichert, ein Gedächtnissystem, das auf der Hirn­struktur Hippocampus beruht. Bisher ging man davon aus, dass nur bewusst Erlebtes dort haften bleibt und auch das Verhalten beeinflusst. Forschende um die Psychologieprofessorin Katharina Henke von der Universität Bern wollten herausfinden, ob auch unbewusst Erlebtes im episodischen Gedächtnis gespeichert und verhaltenswirksam wird.

Methode: 320 Testpersonen wurden ein, drei oder neun komplexe und für das Bewusstsein unsichtbare Filme hintereinander präsentiert und später das Erinnerungsvermögen getestet. Die filmischen Szenen wurden nicht nur bewusst, sondern auch unbewusst registriert und im episodischen Gedächtnis langzeitgespeichert. Jedes Filmbild wurde für nur 17 Millisekunden eingeblitzt. Vor und nach einem Filmbild wurden Schwarz-weiss-­Pixel-Bilder (sogenannte Masken) dargeboten, die das Gehirn am Weiterverarbeiten der eingeblitzten Filmbilder hinderten. So konnten die filmischen Handlungen lediglich unbewusst registriert werden. 

Ergebnisse: Gemäss den Forschenden können wir viele komplexe Sachverhalte unbewusst in unserem episodischen Gedächtnis langzeitspeichern, ohne etwas zu vergessen. Dies sei beim bewussten Lernen im episodischen Gedächtnis noch nie beobachtet worden: Was man bewusst gelernt hat, vergisst man zumindest teilweise wieder. Diese Ergebnisse seien von erheblicher theoretischer und klinischer Bedeutung, etwa bei der Begleitung von Menschen mit Amnesie- oder Demenzerkrankungen.

Schneider, E. , Züst, A., Wuethrich, S., Schmidig, F., Klöppel, S., Wiest, R., Ruch, S., & Henke, K. (2021). Larger capacity for unconscious versus conscious episodic memory. Current Biology. doi : 10.1016/j.cub.2021.06.012

Kommentare

Kommentar hinzufügen