Viele Organisationen unterstützen das Anordnungsmodell

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Am 17. Oktober endete die Vernehmlassung zum vom Bundesrat vorgeschlagenen Anordnungsmodell. Viele wichtige Stakeholder begrüssen die Ablösung des Delegationsmodells, einige haben Einwände. Nur wenige Organisationen lehnen das Anordnungsmodell komplett ab.

Der Bundesrat schlägt die Ablösung der delegierten Psychotherapie durch das Anordnungsmodell vor. Bis am 17. Oktober konnten sich interessierte Organisationen zum Vorschlag äussern. Nun liegen die Karten auf dem Tisch. Nicht alle Stellungnahmen sind öffentlich zugänglich, was eine Einschätzung erschwert. Der erste Eindruck ist aber doch positiv: Fast alle Stakeholder, die sich öffentlich geäussert haben, begrüssen grundsätzlich die Ablösung des Delegationsmodells durch das Anordnungsmodell, wenn auch mit gewissen Vorbehalten. Generell abgelehnt wird der Systemwechsel einzig von der FMH, verschiedenen kantonalen Ärztegesellschaften, der SVP, der CVP und der Gesellschaft delegiert arbeitender Psychotherapeut(inn)en (GedaP).

Die Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK), diverse Kantone, die Sozialdemokratische Partei (SP) und die Grünliberale Partei (GLP), die FSP-Gliedverbände, diverse Weiterbildungsanbieter, die Hausärzte, Pro Juventute, die Dargebotene Hand, der VPOD und weitere Organisationen begrüssen wie die FSP und ihre Partnerverbände ASP und SBAP den bundesrätlichen Entwurf und melden nur punktuell Korrekturbedarf an.

Krankenkassen und Psychiater gegen die breite Anordnung

Die Krankenkassen (santésuisse, curafutura), die den Wechsel grundsätzlich auch begrüssen, möchten die Kosten stärker kontrollieren, indem sie eine Einschränkung der Anordnungsbefugnis fordern. Nur Psychiaterinnen und Psychiater sowie Fachärzte mit Fähigkeitsausweis in psychosomatischer Medizin sollen eine Psychotherapie anordnen dürfen. Ähnliches fordern auch die Verbände der Psychiatrie (SGPP, SGKJPP, SMHC), der Verband der Schweizer Spitäler H+, sowie die FDP.

Eine solche Einschränkung der Anordnungsbefugnis ist aus Sicht der FSP falsch, da damit das Problem der Versorgungsengpässe nicht gelöst würde. Schon heute fehlt es in vielen, vor allem ländlichen Regionen an Psychiaterinnen und Psychiatern. Auch der Fähigkeitsausweis in psychosomatischer Medizin ist nur wenig verbreitet. Wenn die Anordnungsbefugnis auf diese Kreise eingeschränkt wird, könnte sich die Versorgungsproblematik gar verschärfen, da die Anordnung für Ärztinnen und Ärzte noch viel weniger interessant ist als eine Delegation.

Inkraftsetzung frühestens 2021

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) wird nun alle Vernehmlassungsantworten prüfen und sie in einem Bericht zusammenfassen. Dieser wird in ca. vier bis sechs Monaten vorliegen. Danach ist es am Bundesrat zu entscheiden, ob und in welcher Form er das Anordnungsmodell einführen will. Wir gehen davon aus, dass im besten Fall eine Inkraftsetzung per 1. Januar 2021 erfolgen kann. 

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Philipp Thüler

12/11/2019

Liebe Frau Kirschner
Vielen Dank für Ihren Kommentar. Ja, es ist tatsächlich so, dass es auch gewichtige Gegner gibt. Aber die Befürworter sind ebenfalls stark und haben die besseren Argumente. Zur Frage der Bundesratsrochade: Falls es tatsächlich dazu kommen sollte, kann das Pendel in beide Richtungen ausschlagen. Das ist momentan reine Spekulation und bringt deshalb nicht viel. Wir verfolgen das Ganze aber sehr genau und bleiben auf jeden Fall dran.

Alain Neuenschwander

11/11/2019

Merci à tous les collègues qui s'investissent dans cette lutte.
Ça n'est que justice pour les patients et pour notre formation.

Dorothee Kirschner

11/11/2019

Hmm.
Liebe FSP, der Newsletter zum Anordnungsmodell kommt mir etwas zu optimistisch vor. Die beiden Gesellschaften der Psychiatrie und die K‘Kassen wollen das Ganze stark eingeschränkt sehen, das sind gewichtige Stimmen im Vernehmlassungsprozess. Die FMH, in Bundesbern mit sehr viel Gewicht, ist gar ganz dagegen. Die Grünen haben sich offenbar gar nicht zur Vernehmlassung geäussert...?
Und ich frage mich immer wieder: was passiert, wenn es auf Bundesratsebene im Nov. Rochaden gibt, oder eine Abwahl? Anderer geschäftsführende/r Bundesrat/-rätin und das ganze verschwindet vielleicht wieder in der Schublade?
Gerne wüsste ich, wie ihr Folgen eines Wechsel im EDI einschätzt.

In jedem Fall: vielen Dank für euer Engagement für die Besserstellung der psychologischen Psychotherapie!

Dorothee Kirschner