Wahr oder falsch? Eine Frage der Formulierung

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Forschende der Fakultät für Psychologie der Universität Basel haben untersucht, wie Wahrheitsurteile zustande kommen. Dazu sollten Testpersonen verschiedene Informationen als wahr oder falsch beurteilen.

Bei der Beurteilung des Wahrheitsgehalts spielt es eine wichtige Rolle, wie eine Aussage formuliert ist, das sogenannte Framing. Negative Aussagen werden eher als wahr eingestuft als positive. Dieser Effekt ist in der Literatur als Negativitätsbias in Wahrheitsurteilen bekannt.

Die Forschenden gingen in ihrer in der Zeitschrift Social Cognition publizierten Studie einen Schritt weiter: Sie unterscheiden zwischen dem Konzept und der Verneinung, da beide Komponenten zur Negativität einer Aussage führen können. Konzepte basieren auf Wertvorstellungen und können gemäss der Norm positiv oder negativ sein. So gilt Zufriedenheit mit dem eigenen Aussehen als erstrebenswert und damit als positiv, Unzufriedenheit hingegen als negativ. Durch den Fokus auf das positive oder negative Konzept kann eine positive oder negative Aussage entstehen, zum Beispiel: «39 Prozent der deutschen Frauen sind mit ihrem Aussehen zufrieden» oder «61 Prozent sind mit ihrem Aussehen unzufrieden».Eine weitere Möglichkeit, negative Aussagen zu generieren, sind Verneinungen. Der positiven Aussage «39 Prozent der deutschen Frauen sind mit ihrem Aussehen zufrieden» kann die negative Aussage «61 Prozent sind mit ihrem Aussehen nicht zufrieden» entgegengestellt werden. «Wir haben in den Studien gezeigt, dass Aussagen als wahrer beurteilt werden, wenn sie negativ formuliert werden», fasst die Studienmitautorin Mariela Jaffé die Ergebnisse zusammen. Besonders wirksam scheint es zu sein, wenn negative Aussagen über eine Verneinung – also «nicht zufrieden» statt «unzufrieden» – erzeugt wurden.

Woher kommt das? «Es könnte sein, dass in der subjektiven Wahrnehmung eine verneinte Aussage mit einer grösseren Anzahl von Zuständen verbunden ist, auf die sie zutreffen kann.» Anders gesagt: Es gibt wohl mehr Wege, wie eine Person unzufrieden sein kann im Vergleich zu Wegen zur Zufriedenheit. Deshalb könnten verneinte Aussagen plausibler erscheinen. Die Ergebnisse der Studie  können gemäss den Forschenden dafür sensibilisieren, was Wahrheitsurteile beeinflusst und welche Rolle Verneinungen dabei spielen. 

Jaffé, M. E., & Greifeneder, R. (2021). Negative or negated, thus true? An investigation of concept valance and semantic negation as drivers of framing effects in judgement of truth. Social ­Cognition, 39. doi: 10.1521/soco.2021.39.6.687

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