Was lernen wir aus Corona?

Joël Frei
Verband

Die Corona-Pandemie hat uns als soziale Wesen unvorbereitet getroffen. Gewohntes Verhalten ist radikal infrage gestellt worden: Das Händeschütteln ist plötzlich nicht mehr okay, dasselbe gilt für die Umarmung oder für das nahe Beisammensein. Nie in der Geschichte der Menschheit mussten wir einen derartigen Anpassungsprozess weltweit und fast gleichzeitig durchlaufen. Wir können nicht auf gewohnte Verhaltensmuster zurückgreifen und müssen in kurzer Zeit neue erlernen. Es ist klar, dass dadurch eine grosse Unsicherheit ausgelöst wird.

Die Probleme, welche die Pandemie mit sich bringt, scheinen überwältigend. Dabei geht schnell vergessen, dass der Mensch ein erstaunlich anpassungs- und lernfähiges Wesen ist. Viele von uns gehen voran und zeigen auf, wie Beziehungen trotz räumlicher Distanz aufrechterhalten und sogar gestärkt werden können. Zu diesen Menschen gehört auch die Zürcher Fotografin Mara Truog, die diese Psychoscope-Ausgabe bebilderte. Als die Schweiz Mitte März dieses Jahrs in den Lockdown versetzt wurde, entschloss sie sich, die aussergewöhnliche Zeit zu dokumentieren, indem sie ihre Nachbarinnen und Nachbarn in alltäglichen Situationen fotografierte. Diese Momente der «neuen Normalität» strahlen eine sonderbare Ruhe aus, denn ihre Nachbarschaft hat etwas gelebt, das auch viele von uns lebten: Solidarität. Die Nachbarinnen und Nachbarn halfen sich gegenseitig beim Einkauf oder organisierten wöchentlich ein Kinder-Strassenkonzert.

In diesen Zeiten hilft uns die gesellschaftliche Verbindung mehr denn je. Das sieht Mara Truog genauso: «Das gegenseitige Vertrauen und die Verbindlichkeit gibt mir Zuversicht für die Zeit mit Corona und darüber hinaus.»

Publiziert im Psychoscope 6/2020

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