Was man gern macht, macht man gut

Joël Frei
Forschung
Verband
Das Sprichwort postuliert, dass Arbeitszufriedenheit und -leistung in einem positiven Zusammenhang zueinander stehen.

Tatsächlich zeigt dies eine Metaanalyse des US-Forschers Timothy Judge. Doch es gibt für beide Wirkrichtungen Belege. Leisten wir gute Arbeit, weil wir zufrieden sind, oder sind wir zufrieden mit der Arbeit, weil wir sie gut meistern können? Zudem kann der positive Zusammenhang zwischen Arbeitszufriedenheit und Leistung durch Kontextfaktoren reduziert werden, etwa wenn der Handlungsspielraum eingeschränkt wird. Unzureichende Kontrolle kann zu Gefühlen von Angst und Ärger und zu gelernter Hilflosigkeit führen. Der Zusammenhang ist also komplizierter, als das Sprichwort suggeriert.

Wichtig ist auch der Sinn, den wir der Aufgabe beimessen. Der Psychologieprofessor Dan Ariely von der Duke University (USA) hat ein Experiment durchgeführt, um herauszufinden, in welchem Zusammenhang Sinnhaftigkeit und Leistung zueinander stehen.

In einem ersten Schritt wurden die Testpersonen gebeten, Lego-Spielfiguren zusammenzusetzen, für die sie ein wenig Geld bekamen. In diesem «sinnstiftenden Studienaufbau» beobachtete der Forscher eine Korrelation zwischen der Freude, Lego-Figuren zusammenzubauen, und der Anzahl fertiggestellter Spielfiguren.

In einem zweiten Schritt bauten die Testpersonen ebenfalls Lego-Figuren. Doch sobald sie eine fertig hatten, wurde sie vor ihren Augen in ihre Einzelteile zerlegt und in die Schachtel zurückgelegt. In diesem «Sisyphus-Studienaufbau» bauten die Testpersonen durchschnittlich sieben statt elf Spielfiguren: Ihre Motivation liess früher nach. Dass die Frucht ihrer Arbeit vor ihren Augen vernichtet wurde, schien ihre Freude an dieser Aufgabe deutlich reduziert zu haben. Aus diesem Experiment lässt sich schliessen: Wenn wir der auszuführenden Aufgabe wenig Sinn beimessen, leisten wir weniger gute Arbeit.

Manche Arbeiten können wir erst gut machen, wenn wir das entsprechende Wissen und Fertigkeiten mitbringen. Stimmen Fähigkeiten und Anforderungen überein und wir führen die Aufgabe gerne aus, kann es zu einem Flow-Gefühl kommen: Man kann sich sehr gut konzentrieren und geht voll in einer Aufgabe auf. Flow kann uns im Arbeitsalltag Momente der Freude und der Sinnhaftigkeit bescheren und steigert zudem unsere Leistung. Eine der Voraussetzungen für Flow ist intrinsische Motivation. 

Doch man muss nicht für jede Aufgabe intrinsisch motiviert sein, um sie gut zu machen. Gerade bei Routine­aufgaben reicht es aus, dass man daran denkt, dafür bezahlt zu werden.

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