Weitgehende Einigkeit zwischen Psychiatern, Psychotherapeutinnen und Hausärzten

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Am 17. Oktober organisierte der Verband der Psychologinnen und Psychologen beider Basel (PPB) ein Podiumsgespräch zum Thema «Vom Delegationsmodell zum Anordnungsmodell». Die diskutierenden Psychiater, Psychologinnen, Häusärzte und Politikerinnen waren sich überraschend einig.

Schon mit dem Einstieg wurde es klar, dass sich die Teilnehmer einig sind: Das Anordnungsmodell wird grundsätzlich befürwortet. Der Hausarzt und ehemalige Regierungsratspräsident des Kantons Basel-Stadt Guy Morin erklärte, wie viel einfacher seine Arbeit mit dem Anordnungsmodell werde. Er habe heute das Problem, dass sehr viele Patientinnen und Patienten eigentlich eine Psychotherapie bräuchten, es aber sehr schwierig sei, einen Therapieplatz zu finden, der von der Grundversicherung finanziert wird. Er hoffe deshalb sehr, dass das Anordnungsmodell mit der breiten Anordnungsbefugnis auch für Ärztinnen und Ärzte der Grundversorgung durchkomme und äusserte sein Unverständnis über die ablehnende Haltung der FMH.

Sarah Wyss, Grössrätin und Präsidentin der Gesundheitskommission Basel-Stadt, stiess ins gleiche Horn: Sie hofft auf einen niederschwelligen Zugang zur Psychotherapie und freut sich, dass der Bundesrat in dieser Sache einen Vorschlag geliefert hat. Auch Yvik Adler, Co-Präsidentin der FSP, und die Psychotherapeutin Sandrine Burnand vertraten diese Meinung: «Ich freue mich darauf, in Zukunft nur noch in einer Praxis zu arbeiten und nicht mehr so viele Patienten abweisen zu müssen», sagte Yvik Adler.

Positive Äusserungen von Psychiatern

Eher überraschend waren angesichts der negativen Stellungnahmen ihres Verbandes und der medial durch einzelne Psychiater teilweise harsch geäusserten Kritik am bundesrätlichen Entwurf, die durchaus zustimmenden Aussagen von Alain di Gallo und Martin Eichhorn. Letzterer, der als Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie in Basel eine Praxis führt, wies zwar auf die grundsätzlich genügende Versorgungslage zumindest in der Stadt Basel hin, sagte aber trotzdem klar, dass das Anordnungsmodell kommen müsse. Auch Alain di Gallo, Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Klinik Basel, stimmte dem grundsätzlich zu. Er fügte aber an, dass die Weiterbildungsdauer für den Fachtitel Psychotherapie zu kurz und die Vorgaben (z.B. bezüglich Anforderungen der Weiterbildungsstätte) ungenügend seien. Es brauche zudem zusätzliche Steuerungen, um eine Mengenausweitung mit Fehlversorgung zu verhindern. Für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen brauche es einen spezifischen Titel Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut/-in. Anordnungen sollten neben Psychiaterinnen und Psychiatern nur Ärztinnen und Ärzte mit Fähigkeitsausweis zur Anordnung machen dürfen.

Yvik Adler antwortete darauf, dass die FSP sich nicht gegen das im bundesrätlichen Entwurf vorgesehene zusätzliche Praxisjahr wehre. Gleichzeitig betonte sie, dass mehr als das nicht nötig sei, und wies darauf hin, dass Psychologinnen und Psychologen bereits im Grundstudium viel mehr über die menschliche Psyche lernten als Mediziner in ihrem Grundstudium.

Alle Teilnehmenden betonten mehrfach, dass die Zusammenarbeit zwischen Psychiatern, Psychotherapeutinnen und Pflegenden hervorragend funktioniere. Dies müsse im Interesse der Patientinnen und Patienten weitergeführt werden. Die gute Stimmung am Anlass und die weitgehende Einigkeit unter den Diskussionsteilnehmenden liess in keinem Moment einen Zweifel daran aufkommen, dass das weiterhin so bleiben wird.

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